Vor 80 Jahren entstand das Saarland wie wir es heute kennen. Ebenfalls vor 80 Jahren begannen die Planungen für eine und Arbeiten an einer Briefmarkenausgabe für das Saarland: ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar›.
Die politische Entwicklung des Saarlandes wie die Geschichte der Briefmarkenausgaben ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar› sind untrennbar miteinander verwoben.
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18. April 1946
Die Gemeinde Bous liegt südöstlich von Saarlouis an der Saar. Der 22. August 1935 bringt grosse Veränderungen. Das Nazi-Regime verordnet der Gemeinde die Änderung ihres Namens von ‹Bous› zu ‹Buß›.
Das ist für die Einwohner nichts Neues. Bereits 1917 hatte die Gemeinde auf königlichen Erlass ihren Namen von ‹Bous› zu ‹Buß› gewechselt. 1921, in der Zeit des Völkerbundsmandates, dann zurück zum althergebrachten Gemeindenamen ‹Bous›.
In frühen Urkunden findet sich für die Gemeinde der Name ‹Bouza›, welcher vermutlich keltischen Ursprungs ist.
Nun wird ‹ou› von Deutschen gerne als Hinweis für romanischen, sprich französischen Ursprung, gedeutet. Diese Missdeutung lag den ‹Germanisierungen› von 1917 und 1935 zugrunde.
Am Donnerstag, 18. April 1946 wird die Gemeinde wieder in ‹Bous› umbenannt. Für die Post bedeutet dies: neue Stempel. Übergangsmässig wird bis Anfang August 1946 ein Gummistempel ohne Datum sowie parallel ein ‹stummer› Datumsstempel verwendet.
BUSS (SAAR) b, bis 17.04.1946Gummistempel BOUS (Saar)stummer DatumsstempelAmtsblatt Nr. 8 vom 18.04.1946, S. 52
Viel grösseres Ungemach kommt 1974 mit der kommunalen Gebietsreform über die kleine Gemeinde Bous. Die Eingemeindung nach Schwalbach sorgt für so grosse Proteste, das diese rückgängig gemacht wird.
Seit 1982 ist Bous die kleinste eigenständige saarländische Gemeinde.
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18. April 1946
Die Saarländer werden durch das Regierungspräsidium Saar informiert, dass im Verlauf des Jahres erstmals Gemeindewahlen stattfinden.
Für die Wahl müssen sich alle Wahlberechtigte zwischen dem 2. Mai und 12. Mai 1946 bei den Gemeinden mit einem Formular registrieren. Die Gemeinden erstellen dann aus den abgegebenen Formularen vorläufige Wahllisten.
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18. April 1946
Nach §1 der Verordnung über die gesetzlichen Feiertage vom 22. Oktober 1945 ist der 1. Mai, der 1946 auf einen Mittwoch fällt, ein gesetzlicher Feiertag.
Amtsblatt Nr. 8 vom 18.04.1946, S. 52
Weder Verwaltungen noch gewerbliche Betriebe arbeiten. Die Löhne werden wie für einen Arbeitstag ausbezahlt.
Mit Rücksicht auf die Produktion und den Wiederaufbau müssen die ausgefallenen Arbeitsstunden nachgeholt werden. Die Sperrstunden wird für die Nacht vom 1. zum 2. Mai 1946 ausnahmsweise auf 2 Uhr morgens festgesetzt. Gaststätten schliessen spätestens um 1 Uhr.
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🇬🇧 In a nutshell: 80 years ago, foundations for the nascent Saarland were laid. 80 years ago, plans were drawn for and work started at the first stamp issue for the Saarland ‹Works and sights at the Saar›.
Both, the political history of the Saarland as well as the history of the stamp issues ‹Works and sights at the Saar› are inextricably entwined.
This post is about the frequent name-changes of the parish of Bous due to ‹ou› in a word in Germany often being misinterpreted as to have French roots.
The second part ist the announcement of first democratic local elections in 1946. Inhabitants should register with the local authorities/councils from 2. May to 12. May 1946.
The third part is about the First of May holiday 1946.
🇫🇷 En bref: Il y a 80 ans, les fondations de la Sarre naissante ont été posées. Il y a 80 ans, les plans ont été dessinés et les travaux ont commencé pour la première série de timbres de la Sarre intitulée « Metiers et sites de la Sarre ».
L’histoire politique de la Sarre et l’histoire de la série de timbres « Metiers et sites de la Sarre » sont inextricablement liées.
Cet article traite des fréquents changements de nom de la paroisse de Bous, dus au fait qu’en Allemagne, la lettre « ou » dans un mot est souvent interprétée à tort comme ayant des racines françaises.
La deuxième partie concerne l’annonce des premières élections locales démocratiques de 1946. Les habitants devaient s’inscrire auprès des autorités locales/conseils municipaux du 2 au 12 mai 1946.
La troisième partie porte sur la fête du 1er mai 1946.
Vor 80 Jahren entstand das Saarland wie wir es heute kennen. Ebenfalls vor 80 Jahren begannen die Planungen für eine und Arbeiten an einer Briefmarkenausgabe für das Saarland: ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar›.
Die politische Entwicklung des Saarlandes wie die Geschichte der Briefmarkenausgaben ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar› sind untrennbar miteinander verwoben.
In den kommenden 27 Monate werde ich in loser Folge zu bestimmten Ereignissen dieser Zeit Beiträge verfassen. Mal mehr aus politischer mal mehr aus philatelistischer Perspektive; aber immer als Ereignisgeschichte, der ‹courte durée› nach Fernand Braudel.
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8. April 1946
Seit diesem Tag rapportiert Gilbert Grandval, Militärgouverneur des Saarlandes, direkt an den Quay d’Orsay in Paris. Genauer an die Kommission für Saar-Angelegenheiten im Pariser Aussenministerium.
Dies beendet einerseits die Unterstellung Grandvals unter die französische Militärregierung für Deutschland in Baden-Baden, andererseits die administrative Trennung des Saarlandes von der französischen Besatzungszone in Deutschland. Erste Schritte dazu hatte es bereits 1945 gegeben.
Ein Jahr zuvor, am 21. März 1945 ist der Krieg für die wenigen verbliebenen zivilen Bewohner der Saar-Region vorbei.
Truppen der 7. US-Armee, verstärkt durch zwei Divisionen der 3. US-Armee und mit Unterstützung durch Jagdbomber des XII. Tactical Air Commands sowie Bombern der 8. US-Luftflotte hatten im Zuge der Operation ‹Undertone› die Flüsse Mosel, Saar und Nahe, sowie den Westwall innerhalb weniger Tage überwunden. Die Front verläuft nun entlang des Westufers des Rheins.
Hinter der Front herrscht Ruhe.
Über dem Eingang des Saarbrücker Rathauses weht das Sternenbanner. Saarbrücken ist nach 32 schweren Luftangriffen eine Trümmerwüste. 80 Prozent der Gebäude sind beschädigt oder zerstört. Die Wasser- und Energieversorgung längst zusammengebrochen. Etwa 7’000 Menschen hausen in den Ruinen und einigen Höhlen. 7’000 von über 130’000 vor dem Krieg.
Stadtarchiv Saarbrücken V III B 2 -30_70
Das Saarbrücker Rathaus ist Amtssitz des 48-jährigen Colonels Louis G. Kelly (1897-1970). Kelly leitet seit dem 22. März 1945 die US-Militärverwaltung für Saarbrücken. In einer seiner ersten Amtshandlungen ernennt er am 24. März den örtlichen Nudelfabrikanten Heinrich Wahlster (1892-1968) zum Oberbürgermeister von Saarbrücken. Der leitende Angestellte Heinrich Detjen wird zweiter Bürgermeister, der Kaufmann Richard Neu Beigeordneter. Fertig ist die Stadtregierung.
Danach organisiert Kelly Trümmerräumung, Wasser, Nahrungsmittel, Kohlen, Strom und die medizinische Versorgung. Eine Herkulesaufgabe.
Colonel Kelly macht seine Arbeit gut.
Mitte April 1945 – in Deutschland wird weiterhin verbissen gekämpft – wird ihm die Leitung der US-Militärverwaltung für die gesamte Saar-Region übertragen.
Ich kann leider kein Bild von Colonel Louis G. Kelly zeigen. Meine Kontakte beim Pentagon, dem Archiv der New York Times, beim Oberkommando der US-Truppen in Wiesbaden und bei der NATO School in Oberammergau (damals 6819th AIESS, die Kelly Ende der 1940er-Jahr leitete) waren alle sehr freundlich und hilfsbereit, konnten in ihren Beständen jedoch kein Bild von Kelly finden.
Ich halte Colonel Kelly für einen von drei Gründungsvätern des modernen Saarlands. Weshalb?
Colonel Kelly errichtet am 4. Mai 1945 – also noch vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht – das Regierungspräsidium Saar. Damit schafft er die institutionelle Basis für das Saarland. Die Leitung des Regierungspräsidiums überträgt Colonel Kelly dem 44-jährigen Rechtsanwalt Dr. Hans Neureuter (1901-1953). Kelly beweist mit dieser Wahl Menschenkenntnis, denn Neureuter ist ein Macher, der den Wiederaufbau vorantreiben will.
Die Errichtung des Regierungspräsidiums Saar erfolgt im Einklang mit der generellen Anweisung des Supreme Headquarters, in den besetzten Gebieten schnell eine der Weisungsbefugnis der US-Militärbehörden unterstellte regionale Verwaltung zu errichten. Ich gehe jedoch davon aus, dass Colonel Kelly bei der Schaffung des Regierungspräsidiums Saar eigenmächtig handelt. Warum? Zwei Gründe
Ein Regierungspräsidium Saar hatte es zuvor nicht gegeben. Die Saar-Region gehörte zum grössten Teil zur preussischen Rheinprovinz (Regierungsbezirk Trier) und zu einem kleineren Teil zur bayrischen Pfalz. Nach der Rückgliederung des Völkerbundsmandats ‹Saargebiet› am 1. März 1935 wurde das Saarland Reichsland unter einem Reichskommissar und ab 1941 Teil der sogenannten ‹Westmark›.
Die US-amerikanische Militärregierung in Frankfurt bildet – wohl in Unkenntnis der Massnahme Kellys – am 10. Mai 1945 die Provinzialregierung Saar-Pfalz und Rheinhessen mit Sitz in Neustadt an der Haardt. Aus der Provinzialregierung entsteht, erweitert um die Regierungsbezirke Trier und Koblenz mit Wirkung vom 1. Juni 1945 das Oberregierungspräsidium Mittelrhein-Saar unter Dr. Hermann Heimerich (1885-1963). Ein Regierungspräsidium Saar ist in dieser Verwaltungseinheit nicht vorgesehen. Erst mit der Organisationsverfügung Nr. 7 vom 3. Juni 1945 sanktioniert die US-Militärregierung nachträglich Colonel Kellys ‹Neugründung› und errichtet neben Trier und Koblenz offiziell die drei Regierungsbezirke Saar, Pfalz und Rheinhessen.
Die Unterstellung unter ein Oberregierungspräsidium ist für Regierungspräsident Dr. Neureuter glücklicherweise nur ein kurzfristiges Ärgernis, denn in Neustadt sitzen keine Macher, sondern Sesselfurzer.
Wie steht es mit dem Postverkehr im Saarland?
Der Postdienst ist seit Ende 1944 komplett eingestellt. Im Gegensatz zu Aachen wird nach der Besatzung durch alliierte Truppen auch kein Postdienst eingerichtet, werden keine Briefmarken [AM-Post, 19. März 1945] ausgegeben. Der zivile Postverkehr bleibt untersagt. Für die Post zwischen zivilen Dienststellen wie Bürgermeistern, Landräten, Kreisverwaltungen wird ein Kurierdienstes eingerichtet. Dies bleibt jedoch ein kurzlebiges Provisorium. Weshalb?
Das Hauptpostamt in Saarbrücken, Postämter in den Städten und auf dem Land sowie andere Einrichtungen sind zerstört. Die Reichspostdirektion Saarbrücken hatte 1944 mit der gesamten Belegschaft und 12 Postbussen erst nach Speyer verlegt, war vor der näherrückenden Front nach Heidelberg evakuiert worden und danach nach Bayern gelangt.
Erst unter massivem Druck der US-Militärregierung macht sich die Postbelegschaft am 14. Mai 1945 samt Bussen aus dem Allgäu auf den Weg in die Heimat. Dort ist die vordringliche Aufgabe nicht die Briefpost, sondern der Kraftpostverkehr zwischen den Wohngebieten der Bergleute und den Kohlengruben.
Am 10. Juli 1945 lösen französische Truppen die US-amerikanischen Besatzungstruppen ab; das Saarland ist nun gemäss finalem Zonenprotokoll der European Advisory Commission (EAC) in London für kurze Zeit Teil der französischen Besatzungszone in Deutschland.
EAC, Public Domain
Die französische Besatzungszone umfasst Gebiete im Westen Deutschlands sowie – um die schöne Schweiz herum – das Vorarlberg und die westlichen Teile Tirols in Österreich.
Public Domain, digitally enhanced by author
Die französische Besatzungszone in Deutschland ähnelt auf Karten einer Sanduhr, deren Engstelle bei Karlsruhe liegt. Auf der Karte sehen wir die Lage des Saarlandes blassblau eingezeichnet. Die Grenzen des Saarlandes sind nicht die von 1945, sondern jene zur Zeit der grössten territorialen Ausdehnung nach Juli 1946. Thema eines der kommenden Beiträge von Saarphila History ‹Vor 80 Jahren›.
Am 10. Juli 1945 rücken nicht bloss französische Truppen im Saarland ein, sondern Général Louis-Constant Morlière (1897-1980) übernimmt die provisorische Truppenverwaltung die Saar-Region.
Louis-Constant Morlière
Ich halte Général Morlière für den zweiten Gründungsvater des modernen Saarlands. Wieso?
Am 25. Juli 1945 gliedert er – ratzfatz – das Regierungspräsidium Saar aus der Zuständigkeit des Oberregierungspräsidiums in Neustadt aus. Das Oberregierungspräsidium legt Général Morlière keine Steine in den Weg. Die feinen Herren der Regierung hatten am 5. Juli 1945 geschlossen den Rücktritt eingereicht.
Grund: Mit den US-Amerikanern hätten sie zusammenarbeiten wollen, aber eine Zusammenarbeit mit dem ‹Erbfeind› Frankreich fanden sie unzumutbar. Was für eine Hybris!
Général Morlière schreibt gleichentags an Dr. Neureuter:
…, dass das Saarland künftighin eine eigene Verwaltungseinheit bildet.
Das war ein grosser Schritt auf dem Weg zur Loslösung des Saarlandes von der französischen Besatzungszone und schlussendlich von Deutschland. Général Morlières Zuständigkeit für das Saarland endet offiziell am 30. August 1945.
Vorhang auf für den Mann, welcher die Basis für das heutige Saarland gelegt hat; der das Saarland so geprägt hat, wie sonst niemand. Bis heute! Es wundert mich, dass die Saarländer ihm noch kein Denkmal gesetzt haben. Ich habe ihn eingangs erwähnt: Gilbert Grandval.
Gilbert Grandval
Nach Ende der Potsdamer Konferenz, an welcher die alliierten Besatzungszonen gemäss den Vorschlägen der EAC endgültig legitimiert wurden, wird der 41-jährige Gilbert Grandval (1904-1981, eigentlich Yves Gilbert Edmond Hirsch-Ollendorf) zum Militärgouverneur des Saarlandes ernannt.
Seine Ernennung erfolgt auf direkte Veranlassung von Präsident Charles de Gaulle gegen das Aussenministerium, welche Léonce Abel Verdier, von 1935-1939 französischer Konsul an der Saar, favorisierten.
Grandval tritt seine Position am 7. September 1945 an. Er arbeitet sich rasch in die Thematik ein und entwickelt eine eigene, von seinem Mentor De Gaulle unabhängige Vision des Saarlandes. Grandval erweist sich als Glücksgriff für das Saarland.
Der 8. April 1946, heute vor 80 Jahren ist der Tag der weitestgehend administrativen Trennung des Saarlandes von der französischen Besatzungszone. Die Trennung betrifft nicht die Eisenbahn und nur zu einem Teil die inzwischen gegründete Oberpostdirektion Saar.
Die Trennung und die direkte Unterstellung Grandvals unter das französische Aussenministerium am Quay d’Orsay erfolgt nicht gegen den Willen des französischen Militärgouverneurs für Deutschland, Général Pierre-Marie Kœnig. Im Gegenteil. Sie erfolgt auf Vorschlag von Général Kœnig.
Beide, Kœnig und Grandval hatten bereits seit der letzten Phase des Krieges gut zusammengearbeitet. So gut, dass De Gaulle, Grandval als Kœnigs Stellvertreter vorgesehen hatte. Doch Grandval hatte diese Position abgelehnt. Er wollte aufbauen. Er war ein ‹Macher›.
Einige Eckdaten zum Postverkehr
Juli 1945: Die französischen Militärbehörden gründen über das Regierungspräsidium Saar die Oberpostdirektion Saar mit Sitz in Saarbrücken. Die Belegschaft rekrutiert sich mehrheitlich aus Angestellten der ehemaligen Reichspost. Erster Präsident wird Paul Beinlich.
September 1945: Der zivile Postverkehr wird ab 1. September im nördlichen Teil der französischen Besatzungszone und somit auch im Saarland wieder zugelassen und umgehend rege genutzt. Erlaubt sind Postkarten mit bis zu 10 Zeilen Text. Gebühr 5 Pfennig im Orts- und 6 Pfennig im Fernverkehr. Barfrankierung.
Am 6. September wird der Postscheckdienst wieder aufgenommen.
Am 17. September wird der zivile Postverkehr auf Briefe, Drucksachen und Zeitungen ausgeweitet.
Oktober 1945: Der zivile Postverkehr wird am 14. Oktober auf die gesamte französische Besatzungszone und am 30. Oktober auf die anderen Besatzungszonen ausgeweitet.
Januar 1946: Erste Werte der Briefmarkenausgabe ‹Wappen und Dichter› kommen an die saarländischen Postschalter. Barfrankierung weiterhin weit verbreitet.
Wappen und Dichter
März 1946: Portoerhöhung im Saarland wie auch in der französischen Besatzungszone zum 1. März. Verdoppelung aller wesentlichen Inlandspostgebühren. Die Gebühren für die — noch nicht — zugelassenen Auslandsdienste werden verdreifacht
April 1946: Wiederaufnahme des Auslandspostverkehrs in allen Besatzungszonen am 1. April. Destinationen Japan, Spanien und Ungarn sind nicht gestattet. Die französische Zensurstelle in Saarbrücken überwacht die bei der Auslandsleitstelle Saarbrücken (Postamt Saarbrücken 2, Stempel c) eingehende Post.
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🇬🇧 In a nutshell: 80 years ago, foundations for the nascent Saarland were laid. 80 years ago, plans were drawn for and work started at the first stamp issue for the Saarland ‹Works and sights at the Saar›.
Both, the political history of the Saarland as well as the history of the stamp issues ‹Works and sights at the Saar› are inextricably entwined.
In no particular order I’m going to publish over the next 27 months blog-posts on certain historical events of that time. Sometimes from a political and sometimes from a philatelic perspective.
This post traces the early beginnings of the nascent Saarland. from March 1945 to April 1946.
🇫🇷 En bref: Il y a 80 ans, les fondations de la Sarre naissante ont été posées. Il y a 80 ans, les plans ont été dessinés et les travaux ont commencé pour la première série de timbres de la Sarre intitulée « Metiers et sites de la Sarre ».
L’histoire politique de la Sarre et l’histoire de la série de timbres « Metiers et sites de la Sarre » sont inextricablement liées.
Au cours des 27 prochains mois, je publierai, sans ordre particulier, des articles de blog sur certains événements historiques (Fernand Braudel) de cette époche. Parfois d’un point de vue politique, parfois d’un point de vue philatélique.
Cet article retrace les tout débuts de la Sarre naissante, de mars 1945 à avril 1946.
St. Arnual mit seiner prominenten Stiftskirche und den Saarwiesen liegt im Südosten Saarbrückens unweit der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland. Die eigenständige Gemeinde wird mit Wirkung zum 1. April 1897 Stadtteil von (Alt-) Saarbrücken.
Saarbrücken, St. Johann an der Saar sowie Malstatt-Burbach schliessen sich mit Vertrag vom 5. Dezember 1908 zum 1. April 1909 unter dem Namen Saarbrücken zur ersten und bis heute einzigen Grossstadt des Saarlandes zusammen.
Die in der Bildmitte der Abbildung gut erkennbaren Saarwiesen befinden sich zwischen dem Winterberg im Nordwesten, St. Arnual im Westen, dem Halberg und Brebach im Osten sowie Güdingen im Süden. Von Süden kommend umfliesst die Saar die Wiesen im Westen und Norden.
Am Wochenende des 14./15. Oktober 1911 finden auf den St. Arnualer Saarwiesen die ‹Saarbrücker Flugtage› statt. Flugmaschinen unterschiedlicher Bauart geben sich ein Stelldichein und selbst der 140 Meter lange Zeppelin LZ 10 ‹Schwaben› macht über den Wiesen fest. Was für eine Attraktion!
LZ 10 Schwaben (public domain)
Im Sommer 1914 erste Kampfhandlungen, die sich schnell zum 1. Weltkrieg ausweiten. Die St. Arnualer Saarwiesen werden während des Krieges als Militärflugplatz genutzt.
Das ‹Saargebiet› ist ab Januar 1920 Mandatsgebiet des Völkerbundes. Zwischen 1924 und 1928 werden die Saarwiesen nun provisorisch zum Verkehrsflugplatz ausgebaut. Das Gebiet ist für einen Verkehrsflugplatz denkbar ungeeignet:
die Saarwiesen werden für die Trinkwassergewinnung genutzt
der Platz ist begrenzt und lässt keinen weiteren Ausbau zu
Wohngebiete grenzen direkt an den Flugplatz
Saarhochwasser setzen die Saarwiesen häufig unter Wasser. Bspw. rissen sich beim Saar-Hochwasser Ende Dezember 1948 mehrere Treidelschiffe los und strandeten auf den überfluteten Saarwiesen.
der Anflug ist aufgrund plötzlicher Fallwinde schwierig
Ausschnitt Stadtplan Saarbrücken 1927 (die Saar noch nicht begradigt)
Der regelmässige Linien-Flugverkehr wird am Montag, 17. September 1928 aufgenommen. Die Deutsche Luft Hansa AG fliegt von Berlin über Frankfurt am Main nach Saarbrücken, während die französische ‹Societé Général des Transport Aérienne› die Strecke Paris – Saarbrücken bedient. Umstieg in Saarbrücken für einen Flug zwischen den beiden Hauptstädten.
Philatelistisch bedeutsam ist für das Saargebiet die Aufnahme des Luftpostdienstes am 20. September 1928. Passend dazu werden am 19. September 1928 erste Luftpostmarken verausgabt.
Das Markenbild zeigt einen Doppeldecker ‹Breguet 14T› nach dem Abheben in St. Arnual auf dem Weg nach Westen. Die ‹Breguet 14T› wird von französischen Fluggesellschaften bis Mitte der 1930er-Jahre zur Postbeförderung eingesetzt.
Die Aufnahme des Luftpostdienstes ist so bedeutsam, dass die Saarbrücker Zeitung am 19. September 1928 einen sehr informativen Artikel mit einer Aufstellung sämtlicher Luftpost-Gebühren publiziert. Hier die Abschrift dieses Artikel als PDF-Datei.
Der Luftpostdienst wird kontinuierlich ausgebaut und umfasst Anfang der 1930er-Jahre neben der Strecke Paris – Frankfurt (M) – Berlin, die Strecken Karlsruhe – Stuttgart – München ab 1929 sowie Köln – Düsseldorf ab 1930. Selbstverständlich werden auf den Strecken nebst der Post auch Passagiere befördert.
Das Markenbild zeigt eine abhebende Focke-Wulf A-17 ‹Möwe› über dem Flugfeld von St. Arnual. Im Hintergrund sind prominent die Stiftskirche, das helle Flughafengebäude sowie ganz im Hintergrund der Winterberg abgebildet.
Am 1. November 1934, im Vorfeld der Volksabstimmung vom 15. Januar 1935, werden alle vier Flugpostmarken mit unveränderter Nominale, jedoch mit dem Überdruck ‹Volksabstimmung 1935› neu verausgabt.
Nazi-Deutschland verwendet weiterhin den Verkehrsflugplatz St. Arnual, beginnt jedoch direkt nach der Übernahme der Regierungsgewalt im Saarland mit dem Bau eines neuen, günstiger gelegenen Verkehrsflugplatzes in Ensheim. Die Arbeiten werden kurz vor der Fertigstellung des Verkehrsflugplatzes aufgrund der Kriegsvorbereitungen eingestellt.
Am 25. Oktober 1939, fast zwei Monate nachdem Deutschland einen weiteren (Welt-)Krieg angezettelt hat, wird der Linienflug- sowie Flugpostverkehr ab Saarbrücken St. Arnual eingestellt.
Beide Verkehrsflugplätze, St. Arnual und das fast fertiggestellte Ensheim überstehen die Kriegshandlungen fast unversehrt.
Gilbert Grandval, ab 1945 französischer Militärgouverneur, Hochkommissar (1948) sowie Botschafter (1952) im Saarland und ausgebildeter Militärpilot nutzt gerne den Flugplatz St. Arnual, unweit seiner Residenz auf Schloss Halberg.
Ab 1949 wird der Flugplatz auch von Fliegern des Aero-Clubs Saar genutzt.
Verkehrsflughafen St. Arnual etwa 1950 (Foto GÖ 17.101 Flugh. Arnual_0001/ Stadtarchiv Saarbrücken)
1949 werden St. Arnual und sein Flugplatz ein letztes Mal Bildmotiv einer Briefmarke, womit auch der Bogen zu meinem Sammelgebiet geschlagen wird.
Wohnungsbau und Beseitigung von Kriegsschäden haben Vorrang. Es dauert bis 1955, ehe der Verkehrsflugplatz Ensheim das kleine St. Arnual ablöst.
Heute umfliesst die Saar die Saarwiesen nicht mehr. Autobahn und Saar fliessen heute dort, wo 27 Jahre lang Flugzeuge abgefertigt wurden. Sie trennen den Stadtteil St. Arnual von seinen Wiesen. Ensheim, der neue Verkehrsflughafen, wurde im Zuge der kommunalen Neuordnung 1974 nach Saarbrücken eingemeindet.
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Feldmerkmale auf den Marken-Abbildungen
MiNr. SG 127 mit Feldmerkmal VII vom Feld 24
MiNr. SG 158 mit Feldmerkmal II von Feld 23
MiNr. SG 159 mit Feldmerkmal VI vom Feld 25
MiNr. SG 197 mit Feldmerkmal III vom Feld 45
MiNr. SG 198 Mit Feldmerkmal I vom Feld 49
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🇬🇧 In a nutshell: The history of the small, but only notable airport of the Saargebiet and the Saarland from 1911 to 1955. The philatelic importance lies in the airmail-service provided from 1928-1939 as well as 1946-1955.
The airport doesn’t exist anymore. The A621 motorway and the straightened river Saar run today, where over a quarter of a century airplanes and airmail had been handled.
🇫🇷 En bref: L‘ histoire du un petit aéroport de la Sarre, de 1911 à 1955. Son intérêt philatélique réside dans le service de poste aérien assuré de 1928 à 1939 ainsi que de 1946 à 1955.
L‘ aéroport n’existe plus. L‘ autoroute A621 et la Sarre, dont le cours a été rectifié, passent aujourd’hui là où, pendant plus d’un quart de siècle, on a accueilli des avions et traité du poste aérien.
Am 1. Mai 1840 wurde in Grossbritannien die ‹One Penny Black› herausgegeben. Diese Marke gilt gemeinhin als erste Briefmarke der Welt.
One Penny Black 1840
Die Briefmarken Frankreichs und somit auch die Briefmarken, welche von Frankreich zwischen 1945 und 1948 für das Saarland herausgegeben wurden, weisen eine Besonderheit auf. Die Druckbogen dieser Briefmarkenausgaben verfügen über eine ‹Geburtsurkunde›, wie Dr. Wolf-Dietrich Meisel diese Besonderheit treffend beschrieben hat (1).
Druckbogen 45 Pfennig
Die beiden Schalterbogen eines Druckbogens weisen auf dem rechten unteren Bogenrand ein Datum auf, das Bogendatum. Dieses Datum gibt an, an welchem Tag der Markenbogen fertiggestellt wurde. Das kann, muss aber nicht, das Datum des Markendrucks sein. Zur Herstellung der Briefmarken in der Druckerei Burda vgl. ‹Handbuch Feldmerkmale SAAR I›, Kapitel 1.3 ‹Herstellung›.
Dr. Meisel hat bereits vor über 60 Jahren darauf hingewiesen, dass Schalterbogen des 12 Pfennig-Werts für Württemberg-Hohenzollern das Bogendatum 11.3.948 aufweisen. Damit wären diese Marken knapp 900 Jahre älter als die ‹One Penny Black›.
Später hat sich herausgestellt, dass die Gesamtauflage vom 11.3.1948, rd. 15’500 Druckbogen à 200 Marken diesen Setzfehler aufweist. (2)
Das Saarland kann jedoch mit noch älteren Briefmarken aufwarten: Einige Exemplare des 24 Pfennig-Werts der Briefmarkenausgabe ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar› stammen vom 21. Januar 194, sind somit rund 1’650 Jahre älter als die ‹One Penny Black›.
Bogendatum Schalterbogen A 26867 (3)
Es handelt sich nicht um einen Setzfehler, wie bei den Bogen Württemberg-Hohenzollern, sondern um eine Druckzufälligkeit, wie bereits Dr. Heinrich Schneider richtig konstatierte. (4)
Er schrieb:
Ganz offensichtlich hat sich auf die 7 von 1947 ein Papierschnitzel gelegt, so dass der Druck der vollen 7 einige Zeit ausblieb und so die ‹Abart› 194 verursachte.
Wie richtig Dr. Schneiders Aussage ist, können wir an dem folgenden Bogendatum eines kurz darauf mit Bogenrandsignaturen versehenen Schalterbogens erkennen.
Bogendatum Schalterbogen A 26852 (3)
Bei diesem Schalterbogen sind oben und unten Teile der 7 gedruckt worden.
Das Handbuch der Französischen Zone Kap. 3.1.2 wurde 1986 von Dr. Hans Flatters und Dr. Steinkamp verfasst. Eine enorme Fleissarbeit, die in einigen Bereichen – bspw. beim 75 Pfennig Wert der BuS I – nicht mehr aktuell ist.
Für die Druckzufälligkeit ‹194› wird von den beiden Autoren bei A-Bogen mit Bogendatum 21. Januar 1947 der Bereich A 26863 bis A 21406 angegeben. Wie ich gezeigt habe weist bereits der zuvor fertiggestellte Bogen A 26867 den Druckfehler auf. Über Meldungen von kompletten A-Bogen oder Bogenteilen, welche Bogennummern und Bogendatum aufweisen – ob nun mit oder ohne Setzfehler –, freue ich mich.
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Nachtrag vom 17.03.2026
Ron Pichler (Briefmarkenecke by RonAlex) hat mir freundlicherweise einen Scan der Württemberg-Hohenzollern MiNr. 4 mit Bogendatum 11.3.948 zur Verfügung gestellt.
MiNr. 4 ‹Friedrich Schiller›
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(1) Meisel, Wolf-Dietrich; Marken mit Geburtsurkunde, München 1962
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(2) vgl. Handbuch der Französischen Zone Kap. 3.1.2
—
(3) beide Schalterbogen liegen mir komplett vor
—
(4) Schneider, Heinrich Dr.; Über die Geburtsurkunden und anderes Unbekanntes bei der ersten Saarausgabe von 1947, in: Der Heimatsammler 09/1968, S. 120ff
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🇬🇧 In a nutshell: Everybody has been thinking the ‹One Penny Black› of 1840 was the world’s oldest stamp. At least two sorts of stamps are much older, though. One ist the 12 PF. of Wurttemberg-Hohenzollern printed ‹11.3.948› and the other some of Saarland’s 24 PF. ‹Works and sights at the Saar› which bear the date ‹21. Januar 194›.
Background: French stamp issues usually bear a date printed on the margins of the sheets. In both stated cases the print was faulty.
Both cases are being known for at least 60 years. It is my opinion, that it’s good practice to recall such ‹lost› knowledge once in a while.
🇫🇷 En bref: Tout le monde pensait que le « One Penny Black » de 1840 était le plus ancien timbre au monde. Il existe pourtant au moins deux types de timbres bien plus anciens. L’un est le timbre de 12 pfennigs du Wurtemberg-Hohenzollern portant la date « 11.3.948 », et l’autre, certains exemplaires de la série de 24 pfennigs de la Sarre « Métiers et sites de la Sarre » qui portent la date « 21 janvier 194 ».
Contexte : les émissions de timbres français portent généralement une date imprimée sur les marges des feuilles. Dans les deux cas cités, l’impression était défectueuse.
Ces deux cas sont connus depuis au moins 60 ans. Je pense qu’il est bon de rappeler de temps à autre ces connaissances « perdues ».
Freitagabend in der Industriestadt Neunkirchen. Es ist fast dunkel am Abend des 10. Februar 1933 um 18:05 Uhr. Da wird es plötzlich wieder hell. Riesige Flammen schiessen in den dunklen Himmel empor, dann folgt eine ohrenbetäubende Explosion. Sämtliche Scheiben in der Stadt zerbersten. Decken grosser Gebäude stürzen ein und begraben Menschen unter sich. Wohnhäuser an der Saarbrückerstrasse werden durch den Druck der gewaltigen Explosion dem Erdboden gleich gemacht und viele Häuser in der Schlawerie komplett zerstört.
Der erst vor zwei Jahren erbaute MAN Scheiben-Gasometer, 72 Meter hoch, 50 Meter im Durchmesser explodiert mit so einer Wucht, dass die erdbebenartigen Erschütterungen noch im Umkreis von 200 Kilometern wahrnehmbar sind. Im etwa 100 Kilomenter entfernten Heidelberg gehen noch Scheiben zu Bruch. Die schreckliche Bilanz des Unglücks: 68 Menschen tot, 160 Menschen zum Teil schwer verletzt, 167 Familien obdachlos. (1)
Nach der Explosion (‹Le Miroir du Monde›)‹Le Miroir du Monde› No. 155 18 Fevrier 1933, Sammlung Montclair, Click to view
Die internationale mediale Aufmerksamkeit ist riesig. Hier die Filmberichterstattung ‹In a second of time!› von British Pathé am Wochenende nach dem Unglück, welche ab dem 16. Februar 1933 in den Kinos gezeigt wird.
Gross ist ebenfalls das Spendenaufkommen im In- und Ausland. Die Postverwaltung des Saargebietes gibt einige Monate später Sondermarken (MiNr. SG 168-170) heraus, welche als Bildmotiv die Rettungsarbeiten nach der Explosion zeigen.
Welchen Bezug hat dieses schreckliche Ereignis zu meinem Sammel- und Forschungsgebiet, den Ausgaben ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar›?
Das Bildmotiv ‹Bäuerinnen bei der Rübenernte› zeigt im Bildhintergrund prominent einen Gasometer inmitten anderer Industrieanlagen. Die Aufteilung des Bildmotives in Bildvorder- und Bildhintergrund ist 1947 eine kleine Revolution für Briefmarkenentwürfe (2). Dem Künstler Vytautas Kazimieras Jonynas (1907-1997) gelingt, wichtige Zusammenhänge subtil in das gerade einmal 18,5 x 22 Millimeter grosse Markenbild einfliessen zu lassen. Der in seiner Umwelt agierende Mensch steht im Mittelpunkt. Interessanterweise lässt Jonynas Frauen das Bildmotiv prominent dominieren; nicht dekorativ platzierte Frauen, sondern Frauen, die körperlich hart arbeiten und ihre Werkzeuge routiniert benutzen. Dabei ist seine Darstellung der Frauen überaus detailliert: Kopftuch, Hemd, Rock über Strumpfhosen, Schürze und derbe Schuhe. Das Bildmotiv stellt den essentiellen Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Industrie her. Ohne Nahrungsmittel keine Arbeiter, keine Produktion, kein Wohlstand. Darüber hinaus wird harte körperliche Arbeit dargestellt, welche den wirtschaftlichen Erfolg – hier symbolisiert durch die rauchenden Fabrikschlote – und damit den Wohlstand der Saarländer erst generiert.
Das i-Tüpfelchen des Bildmotivs ist jedoch der abgebildete Gasometer. Eine subtile Warnung vor den Gefahren industrieller Arbeit. Den Saarländern dürften 1947 – bloss 14 Jahre nach dem Unglück – die Bilder des verwüsteten Neunkirchen trotz aller schrecklichen Kriegsbilder noch gut in Erinnerung gewesen sein.
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(1) Wolfgang Melnyk/Horst Schwenk; Schreckenstage in Neunkirchen – als der Gasometer explodierte, Historischer Verein Stadt Neunkirchen e.V. (Hrsg.), 2. Auflage, Neunkirchen 2013
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(2) Dasselbe Prinzip der Unterteilung des Bildmotives wendet Jonynas auf beim Motiv ‹Bergmann vor Ort› an.
🇬🇧 In a nutshell: Friday evening in the industrial town of Neunkirchen. It is almost dark on the evening of 10 February 1933 at 6:05 p.m. Suddenly, it becomes light again. Huge flames shoot up into the dark sky, followed by a deafening explosion. All the windows in the city shatter. The ceilings of large buildings collapse, burying people beneath them. Residential buildings on Saarbrückerstrasse are razed to the ground by the pressure of the violent explosion, and many houses in Schlawerie are completely destroyed.
The very large MAN-gasometer, built just two years earlier, 72 metres high and 50 metres in diameter, explodes with such force that the earthquake-like tremors can still be felt within a radius of 200 kilometres. Windows are still breaking in Heidelberg, some 100 kilometres away. The terrible toll of the accident: 68 people dead, 160 people injured, some seriously, and 167 families left homeless.
Where’s the connection to my field of research, the stamp editions ‹Works and sights at the Saar›? The motif ‹Farming women harvesting beets› prominently features a gasometer in the background of the picture, surrounded by other industrial facilities. A subtle warning about the dangers of industrial work. In 1947, just 14 years after the disaster, the people of the Saarland would still have had vivid memories of the images of a devastated Neunkirchen, despite all the horrible images of war since then.
🇫🇷 En bref: Vendredi soir dans la ville industrielle de Neunkirchen. Il fait presque nuit, le 10 février 1933, à 18 h 05. Soudain, la lumière revient. D’énormes flammes jaillissent dans le ciel sombre, suivies d’une explosion assourdissante. Toutes les fenêtres de la ville volent en éclats. Les plafonds des grands bâtiments s’effondrent, ensevelissant les personnes qui se trouvent dessous. Les immeubles résidentiels de la Saarbrückerstrasse sont rasés par la pression de la violente explosion, et de nombreuses maisons de Schlawerie sont complètement détruites.
Le très grand gazomètre MAN, construit deux ans plus tôt, haut de 72 mètres et d’un diamètre de 50 mètres, explose avec une telle force que les secousses sismiques sont encore perceptibles dans un rayon de 200 kilomètres. À Heidelberg, à une centaine de kilomètres de là, des vitres continuent de se briser. Le bilan terrible de l’accident : 68 morts, 160 blessés, dont certains gravement, et 167 familles sans abri.
Quel est le lien avec mon domaine de recherche, les éditions de timbres « Metiers et sites de la Sarre » ? Le motif « Femmes agricoles récoltant des betteraves » met en évidence un gazomètre à l’arrière-plan de l’image, entouré d’autres installations industrielles. Un avertissement subtil sur les dangers du travail industriel. En 1947, seulement 14 ans après la catastrophe, les habitants de la Sarre avaient encore en mémoire les images d’une ville de Neunkirchen dévastée, malgré toutes les horribles images de guerre qui avaient suivi.
Ich habe heute in der Reihe SaarphilaRatgeber einen weiteren Titel publiziert.
alle wichtigen Informationen zu diesem Titel findet ihr hier.
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🇬🇧 In a nutshell: I published a new title of the series Saarphila Guide, today. It’s a comprehensive bibliography for Saar-philately. Click on the cover for more information.
🇫🇷 En bref: J’ai publié aujourd’hui un nouveau titre de la série Saarphila Guide. Il s’agit d’une bibliographie complète sur la philatélie sarroise. Cliquez sur la couverture pour plus d’informations.
Die Bogen des 10 Pfennig-Werts des Altdrucks (SAAR I) der Briefmarkenserie ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar› weisen auf sämtlichen Marken der 2. | 7. Bogenreihe ein auffälliges Merkmal auf. Wir bezeichnen solche Merkmale als ‹Reihenmerkmal›.
‹Fuss der 1 der Wertangabe 10 rechts verkürzt›
Feld 52 | 53, Bogen 05097-B, Bogendatum 13. Februar 1947DetailVergleich
Die folgenden im MICHEL® aufgeführten Feldmerkmale weisen dieses Reihenmerkmal ebenfalls auf:
MiNr. 210 I, Feld 2AB
MiNr. 210 II, Feld 12AB
MiNr. 210 VII, Feld 82B
MiNr. 210 VIII, Feld 87AB
Ich habe dieses Reihenmerkmal unter dem Menupunkt ‹Besonderheiten und Abweichungen/Reihenmerkmale› aufgenommen.
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🇬🇧 In a nutshell: A variety appearing on each stamp of the 2nd an 7th sheet-row of the 10 Pfennig (see illustrations). This variety hasn’t been documented yet.
🇫🇷 En bref: Une variante apparaissant sur chaque timbre de la 2e et de la 7e rangée de la feuille de la valeur 10 pfennigs (voir illustrations). Cette variante n’a pas encore été documentée.
Der Podcast ‹Geschichten aus der Geschichte› ist bekannt und beliebt. Die beiden Historiker Richard Hemmer und Daniel Messner erzählen sich seit über 10 Jahren jede Woche eine Geschichte. Inzwischen haben sie ein gleichnamiges Buch sowie ein Spiel veröffentlicht. Sie touren durch Deutschland und füllen mit ihrem Programm auch grosse Säle.
Die Folge 424 behandelt die ‹Erfindung der Briefmarke›. Die Moderatoren gehen den Fragen nach:
Was war das Revolutionäre an der Briefmarke?
Wie veränderte die Briefmarke das Postwesen?
Wie veränderte die Briefmarke die Kommunikation einer ganzen Gesellschaft?
Der Podcast schlägt in knapp einer Stunde einen äusserst interessanten Bogen über den ‹Tre Skilling Banco›-Fehldruck, die British Guiana 1 ¢ magenta, die Mauritius-Marken, Philipp von Ferrary, die erste Penny-Post des Jahres 1680 zu Rowland Hill, die Mulready-Stationary und die One Penny Black. (1)
🇬🇧 In a nutshell: A ‹Stories from History›-podcast in German. Topic of this episode is the invention of stamps. What was the real revolution of this invention? How did it change the postal system and the communication of the society?
🇫🇷 En bref: Un podcast « Histoires de l’histoire » en allemand. Le thème de cet épisode est l’invention des timbres-poste. En quoi cette invention a-t-elle constitué une véritable révolution ? Comment a-t-elle transformé le système postal et la communication au sein de la société ?
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(1) Zu dem ‹Tre Skilling Banco›-Fehldruck, der British Guiana 1 ¢ magenta sowie der One Penny Black findet ihr lesenswerte Artikel in dem Buch ‹MICHEL® Raritäten – Marken, die Sie kennen sollten›.
Ich bin vor einigen Tagen in der SR-Audiothek auf einen Podcast über Saar-Briefmarken und das Sammeln von Briefmarken gestossen. Journalistin Katja Preissner spricht über das Thema Briefmarken u.a. mit Axel Braun, Vorsitzender der ArGe Saar, sowie Jürgen Priebe, Vorsitzender des Landesverbandes der Briefmarkensammler des Saarlandes.
Der Podcast weist an einer Stelle [Minute 06:30 bis 07:00] zwei historische Ungenauigkeiten auf.
Das von Emmy Glintzer (1899-1992) entworfene Bildmotiv ‹Eichenlaubbekränzte Mutter schliesst die kleine Tochter in die Arme› tritt auf allen vier Wertstufen der Ausgabe ‹Die Saar kehrt heim› von 1935 auf. Die Ausgabe erschien am 16. Januar 1935, drei Tage, nachdem die sich die grosse Mehrheit der Stimmberechtigten bei der Volksabstimmung im Saargebiet vom 13. Januar 1935 zugunsten des Anschlusses an das Deutsche Reich ausgesprochen hatte.
Das von Karl Schulpig (1884-1948) entworfene Bildmotiv ‹Zwei Hände umschliessen ein Stück Saarerde› war Teil einer am 26. August 1934 — also Monate vor der Volksabstimmung im Saargebiet — erschienenen Briefmarkenausgabe. Diese zwei Briefmarken waren Teil der enormen propagandistischen Anstrengungen der Nazi-Diktatur, mit der Volksabstimmung im Saarland einen ersten aussenpolitischen Erfolg und eine erste ‹Revision› des Versailler Vertrages zu erzielen.
Die in diesem Beitrag gezeigten Abbildungen historisch-zeitgeschichtlicher Artikel (Belege, Briefmarken, Ganzsachen, usw.) aus der Zeit von 1933-1945 werden im Rahmen der staatsbürgerlichen Aufklärung, der wissenschaftlichen Forschung sowie der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens verwendet. (§ 86 Abs. 1 resp. § 86a Abs. 1 kommen nicht zur Anwendung)
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🇬🇧 In a nutshell: A podcast in German by SR (Saarland Broadcasting). Topics are stamps of the Saar and the collecting of stamps. Katja Preissner speaks among others with Axel Braun, chairman of the philatelic study group Saar, and Jürgen Priebe, charman of the regional association of stamp collectors in the Saarland. Two historical inaccuracies at 06:30 to 07:00 (see pictures).
🇫🇷 En bref: Un podcast en allemand réalisé par SR (Diffusion Sarre). Thèmes abordés : les timbres de la Sarre et la collection de timbres en général. Katja Preissner s’entretient notamment avec Axel Braun, président du groupe d’étude philatélique de la Sarre, et Jürgen Priebe, président de l’association régionale Sarroise des collectionneurs de timbres poste. Deux inexactitudes historiques entre 06h30 et 07h00 (voir photos).
Mein letzter Beitrag über die Preise für Saarmarken 1947-1955 hat viele positive Reaktionen erhalten. Aus den Gesprächen und Chats konnte ich einige wertvolle Informationen mitnehmen, welche ich in diesem Nachtrag zusammenfasse.
Sicher kann man auf Tauschtagen, Briefmarkenbörsen und auf den ‹einschlägigen› Webportalen immer wieder Schnäppchen machen. Ich weiss das. Wir Sammler sollten aber auch immer die Qualität der von uns erworbenen Stücke im Auge haben. In die Sammlung gehören nur einwandfreie Stücke; das ist mein Credo. Wie ich in meinem letzten Beitrag schrieb:
Einwandfreie, postfrische Erhaltung heisst,
einwandfreie Originalgummierung ohne Büge oder helle Stellen
keine Fingerabdrücke
kein dunkler Abrieb durch schwarzen Steckbuchkarton (ich rate jedem Sammler, auf Steckbücher mit weissem Karton und Pergaminstreifen umzustellen)
keine Verfärbungen durch Kunststoffstreifen von Steckbüchern
keine fehlenden, geknickte oder kurze Zähne; die häufig in Angeboten zu lesende Aussage in der üblichen Zähnung ist sehr häufig Quatsch und meines Erachtens eine Verarschung der Kunden
zentriertes Markenbild
farbfrische Erhaltung
keine Schürfungen der Bildseite
keine Farbverwischungen
Meine Erfahrung zeigt, dass nur wenige Anbieter auf den ‹einschlägigen› Webportalen aussagekräftige Bilder der angebotenen Lose zeigen. Es ist sicherlich sinnvoller, nachzuhaken und bessere Abbildungen anzufordern, als eine minderwertige Lieferung zu erhalten. Eine mögliche Alternative zu den Webportalen sind beispielsweise seriöse Verkaufsgruppen auf Facebook usw.
Mein Sammler-Freund Ron Pichler kommt auf seinem empfehlenswerten YouTube-Kanal ‹RonAlex Briefmarkenecke› im Video vom 30. März 2025 zum Saarland-Jahrgang 1954 zum Schluss, dass der Handelswert (postfrisch) zwischen €1 und €4 sei. In meinem Beitrag gebe ich für denselben Jahrgang €10 an. Ein grosser Unterschied! Aber: Sind in den Angeboten im Web auch die Markenrückseiten gezeigt? Können wir als Käufer also beurteilen, ob die Gummierung wirklich frei von Fingerabdrücken und Abrieb ist? Oder erkennen wir dies erst nach Erhalt der Sendung? Gibt der Verkäufer – bei wertvolleren Stücken – eine Prüfgarantie, die etwas wert ist? Räumt der Käufer Rückgaberecht ein? Wer trägt die Kosten, wenn die Marken nicht der Beschreibung entsprechen? Das sind Fragen, die wir Sammler uns bei Käufen im Web immer stellen sollten. Damit Schnäppchen auch wirklich Schnäppchen sind.
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🇬🇧 In a nutshell: My previous article about the prices for Saarmarken 1947-1955 received many positive reactions. From the conversations and chats I was able to pick up some valuable information, which I summarise in this addendum. You certainly find bargains at swap meets, stamp fairs and on the popular web portals. I know that. But we collectors should always keep an eye on the quality of the items we buy. Only flawless items belong in the collection; that is my maxim. My experience shows that only a few sellers on web portals show detailed pictures of the lots on offer. It certainly makes more sense to follow up and request better pictures than to receive an unsatisfactory delivery. A possible alternative to the web portals are, for example, reputable sales groups on Facebook etc.
My collector friend Ron Pichler on his highly recommendable YouTube-channel in his video of 30 March 2025 on the Saarland 1954 comes to the conclusion, that the commercial value (mint never hinged) is between €1 and €4. In my previous article I quote €10 for the same year. A big difference! But: Are the backs of the stamps also shown in the offers on the web? Can we as buyers judge whether the gum is really free of fingerprints and abrasion? Or do we only recognise this after receiving the item? Does the seller – in case of more valuable items – provide a guarantee that is worth more than a fart? Does the buyer grant a right of return? Who bears the costs if the stamps received do not correspond to the description? These are questions that we collectors should always ask ourselves when buying online. So that bargains really are bargains.
🇫🇷 En bref: Mon précédent article sur les prix des Saarmarken 1947-1955 a suscité de nombreuses réactions positives. Les conversations et les discussions m’ont permis de recueillir des informations précieuses, que je résume dans cet addendum. Il est certain que l’on trouve de bonnes affaires dans les bourses d’échange, les foires aux timbres et sur les portails Internet les plus populaires. J’en suis conscient. Mais nous, collectionneurs, devrions toujours garder un œil sur la qualité des objets que nous achetons. Seules les pièces irréprochables ont leur place dans une collection, telle est ma maxime. D’après mon expérience, seuls quelques vendeurs sur les portails Web présentent des photos détaillées des lots proposés. Il est certainement plus judicieux d’effectuer un suivi et de demander de meilleures photos que de recevoir une livraison insatisfaisante. Les groupes de vente réputés sur Facebook, par exemple, peuvent constituer une alternative aux portails web.
Mon ami collectionneur Ron Pichler, sur sa très recommandable chaîne YouTube, dans sa vidéo du 30 mars 2025 sur le Saarland 1954, arrive à la conclusion que la valeur commerciale (non oblitéré) se situe entre 1 et 4 €. Dans mon article précédent, j’ai cité 10 € pour la même année. Une grande différence ! Mais.. : Le verso des timbres est-il également montré dans les offres sur le web ? En tant qu’acheteurs, pouvons-nous juger si la gomme est réellement exempte de traces de doigts et d’abrasion ? Ou ne le constatons-nous qu’après avoir reçu l’objet ? Le vendeur offre-t-il, pour les objets de grande valeur, une garantie qui vaut plus qu’un pet ? L’acheteur bénéficie-t-il d’un droit de retour ? Qui supporte les frais si les timbres reçus ne correspondent pas à la description ? Ce sont des questions que nous, collectionneurs, devrions toujours nous poser lorsque nous achetons en ligne. Pour que les bonnes affaires soient vraiment des bonnes affaires.