Das Saarland hebt ab!

Saarphila History

St. Arnual (AK Sammlung Montclair)

St. Arnual mit seiner prominenten Stiftskirche und den Saarwiesen liegt im Südosten Saarbrückens unweit der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland. Die eigenständige Gemeinde wird mit Wirkung zum 1. April 1897 Stadtteil von (Alt-) Saarbrücken.
Saarbrücken, St. Johann an der Saar sowie Malstatt-Burbach schliessen sich mit Vertrag vom 5. Dezember 1908 zum 1. April 1909 unter dem Namen Saarbrücken zur ersten und bis heute einzigen Grossstadt des Saarlandes zusammen.

Die in der Bildmitte der Abbildung gut erkennbaren Saarwiesen befinden sich zwischen dem Winterberg im Nordwesten, St. Arnual im Westen, dem Halberg und Brebach im Osten sowie Güdingen im Süden. Von Süden kommend umfliesst die Saar die Wiesen im Westen und Norden.

Am Wochenende des 14./15. Oktober 1911 finden auf den St. Arnualer Saarwiesen die ‹Saarbrücker Flugtage› statt. Flugmaschinen unterschiedlicher Bauart geben sich ein Stelldichein und selbst der 140 Meter lange Zeppelin LZ 10 ‹Schwaben› macht über den Wiesen fest. Was für eine Attraktion!

LZ 10 Schwaben (public domain)

Im Sommer 1914 erste Kampfhandlungen, die sich schnell zum 1. Weltkrieg ausweiten. Die St. Arnualer Saarwiesen werden während des Krieges als Militärflugplatz genutzt.

Das ‹Saargebiet› ist ab Januar 1920 Mandatsgebiet des Völkerbundes. Zwischen 1924 und 1928 werden die Saarwiesen nun provisorisch zum Verkehrsflugplatz ausgebaut. Das Gebiet ist für einen Verkehrsflugplatz denkbar ungeeignet:

  • die Saarwiesen werden für die Trinkwassergewinnung genutzt
  • der Platz ist begrenzt und lässt keinen weiteren Ausbau zu
  • Wohngebiete grenzen direkt an den Flugplatz
  • Saarhochwasser setzen die Saarwiesen häufig unter Wasser. Bspw. rissen sich beim Saar-Hochwasser Ende Dezember 1948 mehrere Treidelschiffe los und strandeten auf den überfluteten Saarwiesen.
  • der Anflug ist aufgrund plötzlicher Fallwinde schwierig
Ausschnitt Stadtplan Saarbrücken 1927 (die Saar noch nicht begradigt)

Der regelmässige Linien-Flugverkehr wird am Montag, 17. September 1928 aufgenommen. Die Deutsche Luft Hansa AG fliegt von Berlin über Frankfurt am Main nach Saarbrücken, während die französische ‹Societé Général des Transport Aérienne› die Strecke Paris – Saarbrücken bedient. Umstieg in Saarbrücken für einen Flug zwischen den beiden Hauptstädten.

St. Arnual Luftbild August 1928 (©Rheinische Provinzialverwaltung, Düsseldorf)

Philatelistisch bedeutsam ist für das Saargebiet die Aufnahme des Luftpostdienstes am 20. September 1928. Passend dazu werden am 19. September 1928 erste Luftpostmarken verausgabt.

Luftpost 50 Centimes (©2026 Saarphila, MiNr. SG 126)
Luftpost 1 Franc (©2026 Saarphila, MiNr. SG 127)

Das Markenbild zeigt einen Doppeldecker ‹Breguet 14T› nach dem Abheben in St. Arnual auf dem Weg nach Westen. Die ‹Breguet 14T› wird von französischen Fluggesellschaften bis Mitte der 1930er-Jahre zur Postbeförderung eingesetzt.

Die Aufnahme des Luftpostdienstes ist so bedeutsam, dass die Saarbrücker Zeitung am 19. September 1928 einen sehr informativen Artikel mit einer Aufstellung sämtlicher Luftpost-Gebühren publiziert. Hier die Abschrift dieses Artikel als PDF-Datei.

Der Luftpostdienst wird kontinuierlich ausgebaut und umfasst Anfang der 1930er-Jahre neben der Strecke Paris – Frankfurt (M) – Berlin, die Strecken Karlsruhe – Stuttgart – München ab 1929 sowie Köln – Düsseldorf ab 1930. Selbstverständlich werden auf den Strecken nebst der Post auch Passagiere befördert.

Verkehrsflugplatz St. Arnual 1930 (©Rheinische Provinzialverwaltung, Düsseldorf)

Am 20. April 1932 verausgabt die Oberpostdirektion für das Saargebiet zwei weitere Luftpostmarken.

Luftpost 60 Centimes (©2026 Saarphila, MiNr. SG 158)
Luftpost 5 Francs (©2026 Saarphila, MiNr. SG 159)

Das Markenbild zeigt eine abhebende Focke-Wulf A-17 ‹Möwe› über dem Flugfeld von St. Arnual. Im Hintergrund sind prominent die Stiftskirche, das helle Flughafengebäude sowie ganz im Hintergrund der Winterberg abgebildet.

Am 1. November 1934, im Vorfeld der Volksabstimmung vom 15. Januar 1935, werden alle vier Flugpostmarken mit unveränderter Nominale, jedoch mit dem Überdruck ‹Volksabstimmung 1935› neu verausgabt.

Luftpost 50 Centimes (©2026 Saarphila, MiNr. SG 195)
Luftpost 60 Centimes (©2026 Saarphila, MiNr. SG 196)
Luftpost 1 Franc (©2026 Saarphila, MiNr. SG 197)
Luftpost 5 Francs (©2026 Saarphila, MiNr. SG 198)

Nazi-Deutschland verwendet weiterhin den Verkehrsflugplatz St. Arnual, beginnt jedoch direkt nach der Übernahme der Regierungsgewalt im Saarland mit dem Bau eines neuen, günstiger gelegenen Verkehrsflugplatzes in Ensheim. Die Arbeiten werden kurz vor der Fertigstellung des Verkehrsflugplatzes aufgrund der Kriegsvorbereitungen eingestellt.

Am 25. Oktober 1939, fast zwei Monate nachdem Deutschland einen weiteren (Welt-)Krieg angezettelt hat, wird der Linienflug- sowie Flugpostverkehr ab Saarbrücken St. Arnual eingestellt.

Beide Verkehrsflugplätze, St. Arnual und das fast fertiggestellte Ensheim überstehen die Kriegshandlungen fast unversehrt.

Gilbert Grandval, ab 1945 französischer Militärgouverneur, Hochkommissar (1948) sowie Botschafter (1952) im Saarland und ausgebildeter Militärpilot nutzt gerne den Flugplatz St. Arnual, unweit seiner Residenz auf Schloss Halberg.
Ab 1949 wird der Flugplatz auch von Fliegern des Aero-Clubs Saar genutzt.

Verkehrsflughafen St. Arnual etwa 1950 (Foto GÖ 17.101 Flugh. Arnual_0001/ Stadtarchiv Saarbrücken)

1949 werden St. Arnual und sein Flugplatz ein letztes Mal Bildmotiv einer Briefmarke, womit auch der Bogen zu meinem Sammelgebiet geschlagen wird.

St. Arnual, Stiftskirche, Saarwiesen und die Halberger Guss-Stahlfabriken (©2026 Saarphila, Entwerfer Karl-Friedrich Winter 1914-1984, MiNr. SL 285)

Wohnungsbau und Beseitigung von Kriegsschäden haben Vorrang. Es dauert bis 1955, ehe der Verkehrsflugplatz Ensheim das kleine St. Arnual ablöst.

Heute umfliesst die Saar die Saarwiesen nicht mehr. Autobahn und Saar fliessen heute dort, wo 27 Jahre lang Flugzeuge abgefertigt wurden. Sie trennen den Stadtteil St. Arnual von seinen Wiesen. Ensheim, der neue Verkehrsflughafen, wurde im Zuge der kommunalen Neuordnung 1974 nach Saarbrücken eingemeindet.

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Feldmerkmale auf den Marken-Abbildungen
MiNr. SG 127 mit Feldmerkmal VII vom Feld 24
MiNr. SG 158 mit Feldmerkmal II von Feld 23
MiNr. SG 159 mit Feldmerkmal VI vom Feld 25
MiNr. SG 197 mit Feldmerkmal III vom Feld 45
MiNr. SG 198 Mit Feldmerkmal I vom Feld 49

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🇬🇧 In a nutshell: The history of the small, but only notable airport of the Saargebiet and the Saarland from 1911 to 1955. The philatelic importance lies in the airmail-service provided from 1928-1939 as well as 1946-1955.
The airport doesn’t exist anymore. The A621 motorway and the straightened river Saar run today, where over a quarter of a century airplanes and airmail had been handled.

🇫🇷 En bref: L‘ histoire du un petit aéroport de la Sarre, de 1911 à 1955. Son intérêt philatélique réside dans le service de poste aérien assuré de 1928 à 1939 ainsi que de 1946 à 1955.
L‘ aéroport n’existe plus. L‘ autoroute A621 et la Sarre, dont le cours a été rectifié, passent aujourd’hui là où, pendant plus d’un quart de siècle, on a accueilli des avions et traité du poste aérien.

#saarphila #saarphilatelie