Die älteste Briefmarke der Welt?

Am 1. Mai 1840 wurde in Grossbritannien die ‹One Penny Black› herausgegeben. Diese Marke gilt gemeinhin als erste Briefmarke der Welt.

One Penny Black 1840

Die Briefmarken Frankreichs und somit auch die Briefmarken, welche von Frankreich zwischen 1945 und 1948 für das Saarland herausgegeben wurden, weisen eine Besonderheit auf. Die Druckbogen dieser Briefmarkenausgaben verfügen über eine ‹Geburtsurkunde›, wie Dr. Wolf-Dietrich Meisel diese Besonderheit treffend beschrieben hat (1).

Druckbogen 45 Pfennig

Die beiden Schalterbogen eines Druckbogens weisen auf dem rechten unteren Bogenrand ein Datum auf, das Bogendatum. Dieses Datum gibt an, an welchem Tag der Markenbogen fertiggestellt wurde. Das kann, muss aber nicht, das Datum des Markendrucks sein. Zur Herstellung der Briefmarken in der Druckerei Burda vgl. ‹Handbuch Feldmerkmale SAAR I›, Kapitel 1.3 ‹Herstellung›.

Dr. Meisel hat bereits vor über 60 Jahren darauf hingewiesen, dass Schalterbogen des 12 Pfennig-Werts für Württemberg-Hohenzollern das Bogendatum 11.3.948 aufweisen. Damit wären diese Marken knapp 900 Jahre älter als die ‹One Penny Black›.
Später hat sich herausgestellt, dass die Gesamtauflage vom 11.3.1948, rd. 15’500 Druckbogen à 200 Marken diesen Setzfehler aufweist. (2)

Das Saarland kann jedoch mit noch älteren Briefmarken aufwarten: Einige Exemplare des 24 Pfennig-Werts der Briefmarkenausgabe ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar› stammen vom 21. Januar 194, sind somit rund 1’650 Jahre älter als die ‹One Penny Black›.

Bogendatum Schalterbogen A 26867 (3)

Es handelt sich nicht um einen Setzfehler, wie bei den Bogen Württemberg-Hohenzollern, sondern um eine Druckzufälligkeit, wie bereits Dr. Heinrich Schneider richtig konstatierte. (4)
Er schrieb:

Ganz offensichtlich hat sich auf die 7 von 1947 ein Papierschnitzel gelegt, so dass der Druck der vollen 7 einige Zeit ausblieb und so die ‹Abart› 194 verursachte.

Wie richtig Dr. Schneiders Aussage ist, können wir an dem folgenden Bogendatum eines kurz darauf mit Bogenrandsignaturen versehenen Schalterbogens erkennen.

Bogendatum Schalterbogen A 26852 (3)

Bei diesem Schalterbogen sind oben und unten Teile der 7 gedruckt worden.

Das Handbuch der Französischen Zone Kap. 3.1.2 wurde 1986 von Dr. Hans Flatters und Dr. Steinkamp verfasst. Eine enorme Fleissarbeit, die in einigen Bereichen – bspw. beim 75 Pfennig Wert der BuS I – nicht mehr aktuell ist.
Für die Druckzufälligkeit ‹194› wird von den beiden Autoren bei A-Bogen mit Bogendatum 21. Januar 1947 der Bereich A 26863 bis A 21406 angegeben. Wie ich gezeigt habe weist bereits der zuvor fertiggestellte Bogen A 26867 den Druckfehler auf. Über Meldungen von kompletten A-Bogen oder Bogenteilen, welche Bogennummern und Bogendatum aufweisen – ob nun mit oder ohne Setzfehler –, freue ich mich.

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Nachtrag vom 17.03.2026

Ron Pichler (Briefmarkenecke by RonAlex) hat mir freundlicherweise einen Scan der Württemberg-Hohenzollern MiNr. 4 mit Bogendatum 11.3.948 zur Verfügung gestellt.

MiNr. 4 ‹Friedrich Schiller›

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(1) Meisel, Wolf-Dietrich; Marken mit Geburtsurkunde, München 1962

(2) vgl. Handbuch der Französischen Zone Kap. 3.1.2

(3) beide Schalterbogen liegen mir komplett vor

(4) Schneider, Heinrich Dr.; Über die Geburtsurkunden und anderes Unbekanntes bei der ersten Saarausgabe von 1947, in: Der Heimatsammler 09/1968, S. 120ff

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🇬🇧 In a nutshell: Everybody has been thinking the ‹One Penny Black› of 1840 was the world’s oldest stamp. At least two sorts of stamps are much older, though. One ist the 12 PF. of Wurttemberg-Hohenzollern printed ‹11.3.948› and the other some of Saarland’s 24 PF. ‹Works and sights at the Saar› which bear the date ‹21. Januar 194›.
Background: French stamp issues usually bear a date printed on the margins of the sheets. In both stated cases the print was faulty.
Both cases are being known for at least 60 years. It is my opinion, that it’s good practice to recall such ‹lost› knowledge once in a while.

🇫🇷 En bref: Tout le monde pensait que le « One Penny Black » de 1840 était le plus ancien timbre au monde. Il existe pourtant au moins deux types de timbres bien plus anciens. L’un est le timbre de 12 pfennigs du Wurtemberg-Hohenzollern portant la date « 11.3.948 », et l’autre, certains exemplaires de la série de 24 pfennigs de la Sarre « Métiers et sites de la Sarre » qui portent la date « 21 janvier 194 ».
Contexte : les émissions de timbres français portent généralement une date imprimée sur les marges des feuilles. Dans les deux cas cités, l’impression était défectueuse.
Ces deux cas sont connus depuis au moins 60 ans. Je pense qu’il est bon de rappeler de temps à autre ces connaissances « perdues ».

#saarphila #saarphilatelie