In den Beiträgen ‹Die älteste Briefmarke der Welt› sowie ‹A von Bogennummer beschädigt› habe ich Abweichungen bei den Bogensignaturen des Altdrucks (BuS I) vorgestellt und beschrieben.
Dieser Beitrag handelt von einer Abweichung bei den Bogenrandsignaturen des Neudrucks (BuS II).
Der Neudruck wurde im Spätsommer 1947 bei der Druckerei Burda in Offenburg in Auftrag gegeben, da die Oberpostdirektion Saar am 17. Juli 1947 der ‹Délégation des P.T.T.› bei der Militärverwaltung in Saarbrücken schriftlich gemeldet hatte, (→ 1)
«dass die meisten Werte der ersten Saarausgabe in Kürze aufgebraucht seien.»
Nun ist ‹in Kürze› ein wunderbar vager Begriff, der in dem vorgenannten Schreiben auch nicht weiter präzisiert wurde.
Der Altdruck war im Spätsommer 1946 bloss als Übergangsausgabe, als Provisorium bis zur angestrebten Wirtschafts- und Währungsunion zwischen dem Saarland und Frankreich geplant worden.
Die einzelnen Werte hatten eine vergleichsweise niedrige Auflagenhöhe. Der ausschlaggebende Grund, weshalb die Ausgabe für die Saar vor den Länderausgaben FZ gedruckt wurde.
Geringe Markenvorräte waren somit nicht verwunderlich, sondern gewollt. Nur kam der ‹Alarm› der OPD Saar früher, als geplant. Politische Volten in der französischen Nationalversammlung verzögerten eine wichtige Vorstufe der Wirtschafts- und Währungsunion, die Einführung des französischen Franc als Währung im Saarland.
Die ‹Délégation des P.T.T.› bei der Militärverwaltung in Saarbrücken unter Leitung von Commandant Marcel Charles Camille Jean (1898-1968) befand sich in einer Zwickmühle.
In dieser politischen Situation konnte kein teurer Auftrag zur Herstellung von Postwertzeichen in Frankenwährung erteilt werden. Ein Mangel an Briefmarken im Saarland – wie kurzfristig dieser auch ausfiele – war ebenfalls keine Alternative! Journalisten aus der Bizone hatten sich bereits genüsslich über den eklatanten Briefmarkenmangel in der Französischen Zone ausgelassen. (→ 2) Also biss man ‹in den sauren Apfel› und bestellte bei Burda in Offenburg eine Neuausgabe. 13 von ursprünglich 20 Werten, wie bei den Länderausgaben FZ.
Die Neuausgabe des 12 Pfennig-Werts – immerhin 3 Mio. Marken – hätten sich die Verantwortlichen sparen können. Es lagerten noch über 3,6 Mio. Exemplare des Altdrucks in Obhut von Postsekretär Michel Thomas beim Wertzeichenverteilungsamt im Postamt Saarbrücken 2.
Bei der Herstellung dieses Wertes unterlief einem Mitarbeiter der Druckerei Burda ein kleiner Fehler, der uns Sammler heute freut.

Die Bogennummern links auf den Schalterbogen wurden mittels eines mitlaufenden Zählwerks der Schnellpresse Typ ‹Rex› gedruckt. Das Bogendatum wurde dagegen jeden Tag neu gesetzt; ein fehleranfälliger Vorgang. (→ 3)

Der Fehler war geringfügig. Der Datumspunkt . direkt hinter der Monatsangabe war direkt vor die Jahresangabe ‹verrutscht›
Die Abweichung tritt bloss am 22. November 1947 bei B-Bogen auf, nicht bei entsprechenden A-Bogen.

Halten wir fest
B-Bogen des 12 Pfennig-Werts des Neudrucks mit Bogendatum 22. November 1947 weisen beim Bogendatum durchgehend einen verschobenen Punkt . vor der Jahresangabe 1947 auf.
Es ist dabei völlig unerheblich, ob ein Eckrandstück oder Bogen des Neudrucks ohne oder mit Überdruck vorliegt; ein Überdruck hat niemals Auswirkungen auf Feldmerkmale oder sonstige Abweichungen der entsprechenden Urmarken.
In MICHEL®-Katalogen wird die Abweichung nicht aufgeführt.
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Hinweise
Diese Website verwendet Lightbox. Für grössere Abbildungen eine Abbildung berühren oder anklicken.
(→ 1) Schneider, Heinrich Dr.; Über die Geburtsurkunden und anderes Unbekanntes bei der ersten Saarausgabe von 1947, in: Der Heimatsammler 09/1968, S. 120ff
(→ 2) bspw. Lenz, S. Walter; ‹Die Zeit› Nr. 24/1946, 1. August 1946, Feuilleton
(→ 3) bspw. Komma statt Punkt bei Schalterbogen 8 Pfennig Altdruck vom 16. Februar 1947 sowie retuschiertes Komma auch beim anschliessend gedruckten 80 Pfennig-Wert.
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🇬🇧 In a nutshell: This post is about a variety appearing in the sheet-margins of the 12 Pfennig-value of the second issue of ‹Works and sights at the Saar›.
The full-stop dividing month and year in the sheet date appears directly in front of the year instead of directly after the month.
This margin-variety appears on all B-sheets with sheet-date 22.11.1947.
🇫🇷 En bref: Cet article porte sur une variante apparaissant dans les marges des feuilles du timbre de 12 pfennigs de la deuxième série « Metiers et sites de la Sarre ».
Le point séparant le mois et l’année dans la date de la feuille apparaît directement avant l’année, et non directement après le mois.
Cette variante de marge apparaît sur toutes les feuilles de type B portant la date du 22.11.1947.
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