Ausgangslage
Die Urmarken des Malstatt-Burbacher Überdrucks MBD I sind die Werte der der ersten Ausgabe ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar› (BuS I); in den Akten der Post als Altdruck bezeichnet.
Die Urmarken des Malstatt-Burbacher Überdrucks MBD II sind dagegen die Werte der zweiten Ausgabe ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar› (BuS II), also des Neudrucks vom Herbst 1947.
In diesem Beitrag stelle ich ein Feldmerkmal der zweiten Auflage vor. Auf dem betroffenen Bogenfeld befindet sich interessanterweise auch eine der wenigen konsistenten Überdruck-Abweichungen.
Die aktuellen MICHEL®-Kataloge führen für die zweite Ausgabe bloss elf Feldmerkmale auf. Die Kataloge von End/Becker und Paul Staedel sowie das Saarhandbuch beschreiben dagegen viele weitere Feldmerkmale (→ 1). Dieses Missverhältnis ist nichts Neues.
MICHEL®-Kataloge – selbst Spezial-Kataloge – eignen sich zwar hervorragend als Einstieg für Anfänger, Sammler und Liebhaber. Die Bedürfnisse von Spezialisten und Philatelisten decken diese Kataloge jedoch bei weitem nicht ab.
Feldmerkmal
Das Feldmerkmal ‹heller Fleck rechts des Bergmanns› tritt auf Bogenfeld 76B des 12 PF.-Werts der zweiten Ausgabe (Neudruck, BuS II) auf.
Exemplare des 12 PF:-Werts des Neudrucks lassen sich einfach von Exemplaren des Altdrucks unterscheiden. Die Querstriche der beiden ‹A› von ‹SAAR› sind tiefer angeordnet, das Papier ist heller und weist KEIN Wasserzeichen auf.
Die Abbildung zeigt ein später in der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei zu Saarbrücken in Frankenwährung überdrucktes Exemplar.


Das Feldmerkmal entstand bereits während des Herstellungsprozesses in der Druckerei Burda in Offenburg und tritt ausschliesslich auf B-Bogen auf. A-Bogen zeigen keine besondere Auffälligkeit..
Der später in Saarbrücken applizierte Überdruck interessiert hinsichtlich des Feldmerkmals nicht; er ändert nichts an den Abweichungen der jeweiligen Urmarken.
Das Feldmerkmal ist seit 1950 bekannt:
→ End/Becker: 242e ‹Loch in der Kohlenwand›
→ Étude: 37g ‹Petit trou blanc dans le charbon›
→ Saarhandbuch: ‹Loch in der Höhlenwand›
Überdruckmerkmal
Der Überdruck ist aber für die nun beschriebene Abweichung interessant.
Die bekannten Philatelisten, Saar-Spezialisten und hervorragenden Beobachter, Karl End, Willibald Becker, Paul Staedel sowie die Mitglieder der Handbuchkommission um Pierre Séguy haben eine auf demselben Bogenfeld wie dem Feldmerkmal auftretende konsistente Abweichung des Überdrucks übersehen.
Der Überdruck wurde – wie erwähnt – in Saarbrücken bei der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei appliziert. Zum Einsatz kamen ‹Original Heidelberger Tiegel-Automaten›. Mit den Tiegel-Automaten wurde und wird stabiles, gleichförmiges Papier – bspw. Plakate, Einladungskarten oder Briefumschläge – im Hochdruckverfahren bedruckt. Für das Bedrucken von dünnen, perforierten und ungleichmässig grossen Schalterbogen, welche darüber hinaus noch unterschiedliche grosse Bogenränder aufwiesen, waren die Tiegel-Automaten denkbar ungeeignet. Entsprechend vielfältig sind die produktionsbedingten Abweichungen beim Überdruck.
Wer einen ‹Original Heidelberger Tiegel-Automaten› im Betrieb gesehen hat, kann über die exorbitanten Preise, welche bei unseren Nachbarn im Westen für kleinste Verschiebungen des Überdrucks ausgerufen werden, nur lächeln.
Nach mehr als 1’000 ausgewerteten und dokumentierten Schalterbogen sämtlicher Werte der MBD I/II (SAAR II) bin ich zum Schluss gekommen, dass Abweichungen beim Überdruck nicht die Ausnahme sind, sondern die Regel.
Dennoch weisen die für den Überdruck hergestellten Matrizen und Stereoplatten einige wenige konsistente Abweichungen auf, die eine eindeutige Zuordnung zu Bogenfeldern zulassen.
Die folgende Überdruck-Abweichung ‹heller Fleck am unteren Rand des unteren Balkens› ist bislang nicht dokumentiert oder publiziert worden.

In der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei wurden Schalterbogen – wie vom Wertzeichenverteilungsamt im Postamt Saarbrücken 2 angeliefert – überdruckt. Eine konsistente Überdruck-Abweichung muss somit auf A- wie auf B-Bogen auftreten.



Die Schalterbogen 12 PF. des Neudrucks wurden am 24. November 1947 von Burda nach Saarbrücken geliefert und am 24./25. November 1947 überdruckt, wofür neu hergestellte Stereoplatten verwendet wurden. Daher findet sich diese Überdruck-Abweichung ausschliesslich beim 12 PF.-Wert der MBD II (Überdruck auf Neudruck).
Die Anfang November 1947 für den Überdruck der Schalterbogen des 12 PF.-Werts des Altdrucks (mit Wasserzeichen) verwendeten Stereoplatten waren nach über 36’000 Druckvorgängen verschlissen und wurden am 29. November 1947 zusammen mit den anderen Matrizen und Stereoplatten vernichtet.
____________________
Hinweis
(→ 1)
End, Karl und Becker, Willibald; SAAR-Briefmarken-Spezial-KATALOG, Ausgabe 1950, Saarbrücken 1950
Staedel, Paul; Étude des timbres-poste et obliterations de la Sarre 1945-1955, Illkirch-Graffenstaden 1955
Handbuch der Postwertzeichen des Saargebietes und des Saarlandes; Herausgeber für die Lieferungen 1-8 der Landesverband der Briefmarkensammler des Saarlandes e.V.;
ab der 9. Lieferung die Bundesarbeitsgemeinschaft SAAR für Philatelie und Postgeschichte e.V.
Diese Website verwendet Lightbox. Für grössere Abbildungen eine Abbildung berühren oder anklicken.
____________________
🇬🇧 In a nutshell: With the stamps of ‹Works and Sights at the Saar› we distinguish two different issues. The first issue of winter 1946/47 (BuS I) and the second issue of autmn 1947 (BuS II).
I present the variety ‹bright spot right of the miner› sheet-position 76B, 12 PF.-value of the second issue (BuS II). This variety is known since 1950, but not listed in the MICHEL®.
At the same sheet-position, but on both, A- and B-sheets of the 2F | 12 PF.-value we find a flaw of the overprint: ‹bright spot on the lower black beam›. This variety hasn’t been published before.
🇫🇷 En bref: En ce qui concerne les timbres de la série « Métiers et sites de la Sarre », on distingue deux émissions distinctes : la première, datant de l’hiver 1946/47 (BuS I), et la seconde, datant de l’automne 1947 (BuS II).
Je présente ici la variante « tache claire à droite du mineur », position 76B, d’une valeur de 12 PF, issue de la deuxième émission (BuS II). Cette variante est connue depuis 1950, mais n’est pas répertoriée dans le MICHEL®.
Sur la même position de feuille, mais sur les feuilles A et B de la valeur faciale 2F | 12 PF, on trouve un défaut de la surimpression : « tache claire sur la poutre noire inférieure ». Cette variante n’a jamais été publiée auparavant.
#saarphila #saarphilately
