Es ist selten, dass ich auf einer Auktion interessante und passende Stücke für meine Sammlung ‹Montclair› finde. Gestern konnte ich auf der 2. Auktion von Ralf Krenz für kleines Geld zwei schöne Ersttagsbelege ersteigern.

Das 75 Pf.-Paar stammt von den Bogenfeldern 77B/78B. (1) Die linke Marke mit dem Reihenmerkmal der 7. Reihe ‹Kurbel an der Hauswand›, die rechte Marke mit Feldmerkmal ‹Fleck am Treppenturm›, landläufig als ‹Storchennest› bezeichnet (MiNr. 222 PF I). Dieses Feldmerkmal gehört mit dem Merkmal ‹fehlender Endstrich bei der 2 der Wertangabe 12› zu den sehr früh katalogisierten Feldmerkmalen der ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar›. Die früheste Erwähnung habe ich als Unternummer 17 I im Müller Briefmarken-Katalog Neudeutschland 1948 (Redaktionsschluss September 1947) gefunden.
Das 12 Pf.-Paar stammt von den Bogenfeldern 39A/40A. Die rechte Marke mit Feldmerkmal ‹Strich am linken Stiefelhacken›.

Das 75 Pf.-Paar stammt von den Bogenfeldern 67B/68B. Die linke Marke mit dem Reihenmerkmal der 7. Reihe ‹Kurbel an der Hauswand›, die rechte Marke mit Feldmerkmal ‹Strich über Turmdach›.
Das 12 Pf.-Paar stammt von den Bogenfeldern 29A/30A. Kein auffälliges Feldmerkmal.
Der 75 Pfennig-Wert wurde am 27./28. und 30. Dezember 1946, der 12 Pfennig-Wert vom 30. Dezember 1946 bis zum 9. Januar 1947 in der Druckerei Franz Burda, Offenburg, hergestellt. Die Auslieferung an die Wertzeichenstelle in Saarbrücken erfolgte am 10. Januar. Der Tag der Erstausgabe war der 20. Januar 1947. Die Abgabe an den Postschaltern war für Privatpersonen pro Wert auf vier Exemplare pro Tag limitiert.
Wilhelm Deuchler hat am 20. Januar 1947 im Postamt St. Ingbert zwei Viererblocks (75 Pf. 67/68/77/78 B-Bogen | 12 Pf. 29/30/39/40 A-Bogen) erstanden und gleichentags verwendet. Ein Einschreiben kostete im Januar 1947 24 Pf. Briefgebühr Inland (bis 20 Gramm) plus 60 Pf. Einschreibegebühr. Für einen Brief der 2. Gewichtsstufe bis 250 Gramm hätte sich das Porto um 24 Pfennig erhöht. Beide Belege sind damit überfrankiert. Beide Belege sind auch echt gelaufen, aber offensichtlich philatelistisch geprägt. Ich gehe davon aus, dass Wilhelm Deuchler, wie sein in Sammlerkreisen bekannte Kollege Dr. med. Emil Dub (1883-1976) Philatelist war.
Dr. med. Wilhelm Deuchler wurde am 2. März 1899 in Offenburg geboren, erhielt 1927 seine Approbation und war seit den 1930er-Jahren Knappschafts-Arzt in St. Ingbert. Er war mit Dr. med. Maria Deuchler (10. April 1903), einer Chirurgin verheiratet.
Sobald ich die Belege in Händen halte, werde ich die verklebten Marken auf ihre Wasserzeichen-Orientierung hin untersuchen. Beide Werte, 12 Pfennig und 75 Pfennig, wurden auf sehr hellem, dünnen und hochwertigem Wasserzeichenpapier aus Vorkriegsproduktion gedruckt. Durch einen Fehler wurden einige wenige Papierbogen auf der «falschen» Seite gummiert. Die Normalvariante des Wasserzeichens ist steigende Wellenlinien (S), die seltenere – beim 75 Pfennig-Wert sehr seltene – Variante fallende Wellenlinien (F); jeweils von der Markenrückseite her betrachtet.
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Nachtrag
Die beiden Belege sind am 14. Januar 2025 bei mir eingegangen. Die vier Exemplare des 12 Pfennig-Werts stammen – das konnte man bereits am Bogenrand des einen Marken-Pärchens erahnen – von einem A-Bogen mit der normalen Wasserzeichen-Orientierung ‹steigende Wellenlinien› S (MICHEL® = Y).
Die vier Exemplare des 75 Pfennig-Werts weisen dagegen die extrem seltene Wasserzeichen-Orientierung ‹fallenden Wellenlinien› F (MICHEL® = X) auf. Die MICHEL®-Bewertung einer Einzelnen dieser Marken auf Brief ist sehr hoch und sicherlich übertrieben.
Mit den beiden Losen habe ich gleich vier Exemplare 75 Pf. (F) auf Ersttags-Beleg, davon zwei mit Feldmerkmal und zwei mit Reihenmerkmal, in meine Sammlung ‹Montclair› einfügen können.
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🇬🇧 In a nutshell: I rarely find interesting pieces that fit in my collection ‹Montclair›. So, I’m very happy to have acquired at auction these two fine covers, yesterday. Both are FDC.
The 12 Pf. and the 75 Pf. values were issued on 20. January 1947. Private persons were allowed to buy four stamps of each value per day. Dr. Deuchler bought 8 stamps, a block of four each, and used them all on the same day.
Both covers are heavily overfranked. I suppose, Dr. Deuchler was a philatelist. The icing on the cake: of eight stamps five carry known and listed flaws.
I can’t wait to receive the two covers. I’m going to examine the orientation of the watermarks. Both values were printed on good quality, white, thin, watermarked paper. Due to a mistake at the paper-mill, some sheets were gummed on the wrong side. Normally the watermark shows ascending wavy lines (S). The rare – in case of the 75 Pfennig-value – extremely rare watermark is descending wavy lines (F). In both cases watermark-orientiation is reported as seen from the stamps backside. (1)
Addendum
The 12 Pfennig-stamps on these covers are as expected with the normal watermark-orientation ascending wavy lines (S).
The 75 Pfennig-stamps, however, are of the extremely rare variety descending wavy lines (F). The valuation for just one of those stamps on piece in the MICHEL® catalogue ist very high and exaggerated, for sure.
I have now added four of those extremely rare stamps to my collection ‹Montclair›. All four on FDC, sporting listed varieties.
🇫🇷 En bref: Il est rare que je trouve dans les ventes aux enchères des pièces intéressantes qui correspondent à ma collection ‹Montclair›. Je suis donc très heureux d’avoir acheté aux enchères ces deux belles couvertures, hier. Les deux sont des FDC.
Les valeurs 12 Pf. et 75 Pf. ont été émises le 20. janvier 1947. Les particuliers étaient autorisés à acheter quatre timbres de chaque valeur par jour. Le Dr. Deuchler a acheté 8 timbres, un bloc de quatre timbres chacun, et les a tous utilisés le même jour.
Les deux enveloppes sont fortement surchargées. Je suppose que le Dr Deuchler était un philatéliste. Cerise sur le gâteau : sur les huit timbres, cinq présentent des variétés connues.
J’ai hâte de recevoir les deux enveloppes. Je vais examiner l’orientation des filigranes. Les deux valeurs ont été imprimées sur du papier filigrané blanc et fin de bonne qualité. À la suite d’une erreur de la papeterie, certaines feuilles ont été gommées du mauvais côté. Normalement, le filigrane présente des lignes ondulées ascendantes (S). Le filigrane rare – dans le cas de la valeur de 75 Pfennig – très rare est constitué de lignes ondulées descendantes (F). Dans les deux cas, le filigrane vu au verso du timbre. (1)
Addendum
Les 12 timbres de Pfennig figurant sur ces enveloppes présentent comme prévu les lignes ondulées ascendantes (S) habituelles en filigrane.
Les 75 timbres de Pfennig, par contre, sont de la variété extrêmement rare des lignes ondulées descendantes (F). L’évaluation d’un seul de ces timbres sur pièce dans le catalogue MICHEL® est très élevée et certainement exagérée.
J’ai maintenant ajouté quatre de ces timbres extrêmement rares à ma collection « Montclair ». Tous sur FDC et avec variétés listées.
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(1) Handbuch Feldmerkmale SAAR I, Fehraltorf 2021; bei Interesse bitte mit mir Kontakt aufnehmen. Die entsprechende Seite unter dem Menüpunkt ‹Literatur› ist noch nicht fertiggestellt.
Mehr zu besprochenen Briefmarken in den nachstehenden Blog-Beiträgen (Archiv)
75 Pfennig
75 Pfennig
12 Pfennig
#saarphila #saarphilatelie