Saarphila History
Vor 80 Jahren entstand das Saarland wie wir es heute kennen. Ebenfalls vor 80 Jahren begannen die Planungen und Arbeiten an einer Briefmarkenausgabe für das Saarland: ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar›.
Die politische Entwicklung des Saarlandes wie die Geschichte der Briefmarkenausgaben ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar› sind untrennbar miteinander verwoben.
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15. September 1946
Der grosse Tag. Gemeindewahlen im Saarland. Erste freie und demokratische Wahlen seit 1935.
477’276 wahlberechtigte Saarländer sind an diesem, mit 18-21°C spätsommerlich milden Sonntag zur Wahl aufgerufen. Die Parteienlandschaft ist 1946 sehr übersichtlich. Parteien mit antidemokratischem oder faschischtischem Charakter existierten im Saarland nicht.
Christliche Volkspartei (CVP). Parteivorsitzender Johannes Hoffmann (1890-1967). Interkonfessionelle, jedoch mehrheitlich katholisch geprägte Sammlungsbewegung in der Tradition der früheren Zentrumspartei. Die Partei strebt einen raschen wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich an, welcher von breiten Teilen der Bevölkerung gewünscht wird.
Lokal unterschiedliche Freie Wählergemeinschaften (FWG). Bei diesen Gruppen ist die Unterstützung für den wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich gross.
Kommunistische Partei Saar (KPS). Parteivorsitzender Friedrich Nickolay (1909-1953). Die Partei fordert soziale Reformen. Die engen Bande der Partei und ihrer Vorstandsmitglieder mit der SED in der sowjetischen Besatzungszone sowie der KPdSU werden von den Saarländern nicht goutiert.
Sozialdemokratische Partei des Saarlandes (SPS). Parteivorsitzender Richard Kirn (1902-1988). Organisatorisch unabhängig von den sozialdemokratischen Parteien der Besatzungszonen. Die Partei wünscht den wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich und stützt sich dabei auf die Zustimmung breiter Bevölkerungsteile.
Die Saarländer strömen zwischen 8 und 18 Uhr in die Wahllokale und geben an den Urnen ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung beträgt – heute fast unvorstellbar – 93,8%. Vor zwei Tagen hat Georges Bidault, der Präsident und Aussenminister Frankreichs, seine politische Volte in einer Rede öffentlich gemacht und die rasche politische Autonomie des Saarlandes zur Zielvorgabe französischer Politik erklärt. (→ hier)
Diese Aussage dürfte den Ausgang der Wahlen im Saarland nicht unerheblich beeinflusst haben.
Die Ergebnisse der Wahlen
Die CVP wird mit 52,3% aller Stimmen stärkste Kraft. Die Partei erreicht in sechs von acht Kreisen die absolute Mehrheit. In Ottweiler verfehlt die Partei mit 49,8% die Mehrheit knapp, in Saarbrücken-Stadt mit 35,6% dagegen deutlich.
Die SPS kommt gesamthaft mit 25,5% der Stimmen auf den zweiten Platz.
Die FWG vereinen 13,1% der Stimmen auf sich.
Die KPS kann nicht an die Erfolge der Vorkriegszeit anknüpfen und erhält 9,1%.
Fazit
Die ersten freien Gemeindewahlen im Saarland vom 15. September 1946 sind historisch ein doppelter Meilenstein: Sie markieren Beginn der Demokratie nach der NS-Diktatur und lassen mit über 80% aller Wahlberechtigten (→ 1) eine klare Zustimmung für ein autonomes Saarland sowie den wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich erkennen. Man kann darin den demokratisch legitimierten Startschuss für die Sonderstellung des Saarlandes in der Nachkriegszeit sehen.
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Hinweise
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(→ 1) Wahlberechtigte: 477’276; Nichtwähler und ungültige Stimmen: 55’435; Wähler der KPS: 38’517; somit haben für einen wirtschaftlichen Anschluss gestimmt: 384’398 = 80,54%
Der Begriff ‹Saarphila History› ist geschützt.
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🇬🇧 In a nutshell: 80 years ago, foundations for the nascent Saarland were laid. 80 years ago, plans were drawn for and work started at the first stamp issue for the Saarland ‹Works and sights at the Saar›.
Both, the political history of the Saarland as well as the history of the stamp issues ‹Works and sights at the Saar› are inextricably entwined.
The first free council elections in the Saarland, held on 15 September 1946, represent a double milestone in history: they marked the beginning of democracy following the Nazi rule and, with over 80 per cent of all eligible voters (→ 1) taking part, demonstrated clear support for an autonomous Saarland and an economic integration with France.
This can be seen as the democratically legitimised beginning of Saarland’s special status in the post-war period.
🇫🇷 En bref: Il y a 80 ans, les fondations de la Sarre naissante ont été posées. Il y a 80 ans, les plans ont été dessinés et les travaux ont commencé pour la première série de timbres de la Sarre intitulée « Metiers et sites de la Sarre ».
L’histoire politique de la Sarre et l’histoire de la série de timbres « Metiers et sites de la Sarre » sont inextricablement liées.
Les premières élections municipales libres en Sarre, qui se sont tenues le 15 septembre 1946, constituent un double tournant historique : elles ont marqué le début de la démocratie après la dictature nazie et, avec un taux de participation de plus de 80 % de l’ensemble des électeurs inscrits, ont démontré un soutien clair en faveur d’une Sarre autonome et d’une intégration économique avec la France.
On peut y voir le point de départ, légitimé démocratiquement, du statut particulier de la Sarre dans l’après-guerre.
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