‹Vor 80 Jahren› – 18. Juli 1946

Saarphila History

Vor 80 Jahren entstand das Saarland wie wir es heute kennen. Ebenfalls vor 80 Jahren begannen die Planungen und Arbeiten an einer Briefmarkenausgabe für das Saarland: ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar›.
Die politische Entwicklung des Saarlandes wie die Geschichte der Briefmarkenausgaben ‹Berufe und Sehenswürdigkeiten an der Saar› sind untrennbar miteinander verwoben.

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18. Juli 1946

143 Gemeinden der Provinz Rhein Hessen-Nassau werden in das Saarland integriert

Ausgangslage
Am 7. September 1945 tritt Gilbert Grandval (→ 1) sein Amt als Gouverneur des Saarlandes an, welches zu diesem Zeitpunkt auf das Gebiet innerhalb der im Versailler Vertrag von 1919 festgelegten Grenzen des Völkerbundmandats ‹Saargebiet› (→ 2) beschränkt ist.
Grandval ist ein Macher! Er arbeitet sich rasch in die Materie ein, studiert die Berichte der Regierungskommission des Saargebietes von 1920-1935 und erkennt, dass das Saargebiet wirtschaftlich nicht lebensfähig ist. Dies ist anfänglich durchaus im Sinne der französischen Politik, die eine wirtschaftliche Abhängigkeit des Saargebietes von Lothringen für wünschenswert erachtet. Der erste Vorstoss Grandvals vom 26. November 1945, das Territorium des Saargebietes um ⅓ zu vergrössern, versandet daher.
Grandval wäre nicht Grandval, hätte er nach diesem Rückschlag nicht in kürzester Zeit eine Strategie zur Umsetzung seiner Vision eines wirtschaftlich lebensfähigen Saarlandes entwickelt.
Am 20. Januar 1946 tritt Charles de Gaulle als Präsident der provisorischen Regierung zurück. Die Zeit der wenig zielführenden und von realitätsfernem Wunschdenken sowie Prestigegefühlen geleiteten französischen Aussenpolitik ist – vorerst – Geschichte.
Der Nachfolger Félix Gouin wird am 23. Juni 1946 vom ehemaligen Wiederstandkämpfer und Aussenpolitiker Georges Bidault abgelöst. Auch die politische Situation hat sich in den Monaten seit November 1945 verändert, eine Annexion des Saarlandes ist vom Tisch.
Grandval erkennt und ergreift seine Chance und legt einen überarbeiteten Plan zur sinnvollen Erweiterung des Territoriums des Saargebietes vor. Sein Ziel ist es, jene Gemeinden in das Saarland einzubeziehen, deren Werktätige ohnehin in saarländischen Betrieben arbeiten und deren Landwirtschaft der Versorgung der Saarbevölkerung dient. All dies möglichst bevor die Grenzen des Saarlandes zur französischen Besatzungszone geschlossen werden.

Gebietserweiterung
Am 18. Juli 1946 ergeht die Anordnung Nr. 8 der französischen Militärregierung, welche mit Wirkung zum 20. Juli 1946 143 Gemeinden (→ 3) der Provinz Rhein Hessen-Nassau (→ 4) dem Saarland zuweist und Gilbert Grandval unterstellt.

In fast allen Quellen fehlt die bis 1974 selbständige Gemeinde Hamm, malerisch in der kleinen Saarschleife bei Taben-Rodt gelegen, in den Aufzählungen der angeschlossenen Gemeinden.

In der Trierische Volkszeitung (→ 5) erscheint am 20. Juni 1946 der Artikel ‹Das Saargebiet erweitert›, welcher auch die Hintergründe erläutert.

Für Gilbert ist die Gebietserweiterung ein weiterer, grosser Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung seiner Vision. Ein wirtschaftlich lebensfähiges Saarland, welches kulturell, wirtschaftlich und politisch mit Frankreich verbunden ist.

Postwesen
Der Oberpostdirektion Saar werden im Zuge der Gebietserweiterung 118 Posteinrichtungen in 111 Gemeinden sowie mehrere ‹Post- und Telegrafenhilfstellen› übergeben. Dies ist eine enorme logistische Herausforderung hinsichtlich zusätzlicher Belegschaft und neu zu beschaffendem Material.
In der nachstehenden Tabelle gelten nachstehende Abkürzungen
• PA, Postamt
• ZwPA, Zweigpostamt
• PSt I, Poststelle I
• PSt II, Poststelle II

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Hinweise
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(→ 1) Gilbert Grandval (12. Februar 1904-29. November 1981), geboren als Yves Gilbert Edmond Hirsch-Ollendorf. ‹Grandval› war ab 1943 einer seiner ‹nom de guerre› als Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg. Den Namen Grandval durfte er ab 1946 auch amtlich führen.
Grandval wird der Posten als ‹rechte Hand› von Pierre-Marie Kœnig, dem französischen Oberkommandierenden und Mitglieds des Alliierten Kontrollrates in Berlin, angetragen. Grandval und Kœnig verstehen sich sehr gut. Sie haben bereits in der Schlussphase des Krieges gut miteinander gearbeitet.
Grandval schlägt das Angebot dennoch aus. Er hat vor dem Krieg  in der Industrie gearbeitet und wünscht sich eine mehr praxisbezogene Aufgabe.
Von 1945-1947 amtiert er als Militärgouverneur des Saarlandes, ab 10. Januar 1948 als Hochkommissar der Französischen Republik im Saarland und schliesslich von 1952 bis 30. Juni 1955 als Botschafter der Französischen Republik im Saarland.
Grandvals forcierte den Wiederaufbau des Saarlandes, seiner Industrie und Landwirtschaft. In seiner Ägide wurde das Saarland autonom und führte soziale Errungenschaften ein, auf welche deutsche Mütter und Werktätige noch lange warten mussten.

(→ 2) Versailler Vertrag, Abschnitt IV., Art. 48; zwischen 1945 und 1947 werden die Begriffe ‹Saarland› und ‹Saargebiet› auch in offiziellen Dokumenten als Synonyme verwendet.

(→ 3) Quellen
Journal Officiel du Commandement en Chef français en Allemagne, No. 29/1946, p. 247-249
(abrufbar bei → 🌐 Gallica)
Amtsblatt des Regierungspräsidiums Saar Nr. 32/1946, S. 131f
(abrufbar bei → 🌐 Universität des Saarlandes)
Regierungspräsidium Saar, Abteilung Finanzen und Forsten, Anweisung RP Saar, Tgb.Nr..III/3 – 2693/46 vom 22. Juli 1946
(Saarländisches Landesarchiv)
Dr. Wilhelm Steinlein, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Trier: Schreiben mit Anhang an die Landräte des Bezirks, den Oberbürgermeister von Trier sowie den Leiter der Oberpostdirektion Trier vom 20. Juli 1946 (offizielle Abschrift im Saarländischen Landesarchiv)

(→ 4) Aus der Provinz Rhein Hessen-Nassau (deckungsgleich mit dem gleichnamigen Oberregierungspräsidium) sowie dem Oberregierungspräsidium Hessen-Pfalz entstand am 30. August 1946 durch Verordnung Nr. 57 das rhein-pfälzische Land, heute das Bundesland Rheinland-Pfalz.
Quelle: Journal Officiel du Commandement en Chef français en Allemagne, No. 35/1946, p. 291-292
(abrufbar bei → 🌐 Gallica)

(→ 5) 1875 als Trierisches Anzeigenblatt gegründet. Ab 1878 unter dem Namen Trierischer Volksfreund. Vom nationalsozialistischen Regime verboten. Erscheint ab 1946 als Trierische Volkszeitung und ab 1949 bis heute wieder als Trierischer Volksfreund.

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🇬🇧 In a nutshell: 80 years ago, foundations for the nascent Saarland were laid. 80 years ago, plans were drawn for and work started at the first stamp issue for the Saarland ‹Works and sights at the Saar›.
Both, the political history of the Saarland as well as the history of the stamp issues ‹Works and sights at the Saar› are inextricably entwined.

On 18th June 1946 decision no. 8 of the french military government in Germany is published, placing 143 municipalities under the authority of governor Gilbert Grandval, thus expanding the territory of the Saarland.
Grandval’s aim is to incorporate into the Saarland those municipalities whose working population is already employed in Saarland businesses and whose agriculture serves to supply the Saarland population. All this is to take place, if possible, before Saarland’s borders with the French Occupation Zone were going to be closed.

The first table lists the 143 municipalities sorted alphabetically by district. The second table lists 111 municipalities with 118 post offices and branches. The incorporation of these post offices and branches placed a heavy burden on the Saarland’s Directorate-General for Postal Services, requiring a huge logistical effort in terms of expanded staff and materials to be procured.

🇫🇷 En bref: Il y a 80 ans, les fondations de la Sarre naissante ont été posées. Il y a 80 ans, les plans ont été dessinés et les travaux ont commencé pour la première série de timbres de la Sarre intitulée « Metiers et sites de la Sarre ».
L’histoire politique de la Sarre et l’histoire de la série de timbres « Metiers et sites de la Sarre » sont inextricablement liées.

Le 18 juin 1946 est publiée la décision n° 8 du gouvernement militaire français en Allemagne, qui place 143 communes sous l’autorité du gouverneur Gilbert Grandval, élargissant ainsi le territoire de la Sarre.
L’objectif de Grandval est d’intégrer à la Sarre les communes dont la population active est déjà employée dans des entreprises sarroises et dont l’agriculture sert à approvisionner la population sarroise. Tout cela doit se faire, si possible, avant la fermeture des frontières de la Sarre avec la zone d’occupation française.

Le premier tableau répertorie les 143 communes classées par ordre alphabétique selon leur arrondissement. Le deuxième tableau répertorie 111 communes comptant 118 bureaux de poste et succursales. L’intégration de ces bureaux de poste et succursales a imposé une lourde charge à la Direction générale des services postaux de la Sarre, nécessitant un effort logistique considérable en termes d’effectifs supplémentaires et de matériel à acquérir.

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