Altbrief von 1848 (Vorphilatelie)

Altbriefe aus der Zeit vor der Herausgabe von Briefmarken gehören zum Gebiet der Vorphilatelie. Die Vorphilatelie ist ein Teilbereich der Philatelie, welcher sich mit der Postgeschichte und den Briefen der Vormarkenzeit beschäftigt.

Das Gebiet des heutigen Saarlandes gehörte im 19. Jahrhundert bis 1815 als Teil des Departement de la Sarre zu Frankreich. Nach den Beschlüssen des ‹Wiener Kongresses› 1814/15 wurde das Department de la Sarre unter verschiedenen Fürsten aufgeteilt:

  • Kgr. Preussen → Ghzm. Niederrhein, ab 1822 Rheinprovinz
  • Kgr. Bayern → Bayerische Pfalz
  • Ghzm. Oldenburg → Fsm. Birkenfeld
  • Hzm. Sachsen-Coburg-Gotha → Fsm. Lichtenberg (bis 1834, an Preussen veräussert)
Karte aus: Westermann, Heimat und Welt Universalatlas, aktuelle Ausgabe Saarland, S. 26, Abb. 4

Preussen und Bayern unterhielten eigene staatliche Postanstalten. Das Fürstentum Birkenfeld hatte am 4. August 1817 für die Bestellung des Postwesens einen Vertrag mit Thurn & Taxis geschlossen. Dieser Vertrag wurde 1837 nicht verlängert und ab November 1837 versorgte die preussische Post das Fürstentum mit Post-Dienstleistungen.

Mit Ausgabe erster Briefmarken endete am 30. Oktober 1849 die vorphilatelistische Zeit im bayerischen Teil und am 14. November 1850 im von der preussischen Post versorgten Teil des Saarlandes.

Der vorgestellte Altbrief ist ein gesiegelter Faltbrief – Papierinnenseite für den Text, die gefaltete Papieraussenseite für die Anschrift – und wurde am 1. Juli 1848 von Saarbrücken an das Bankhaus Berthoud & Frères in Paris versandt.

Altbrief Saarbrücken – Paris, Sammlung ‹Montclair›

Der Altbrief trägt drei unterschiedliche Stempelabschläge (→1).

  • Tagesstempel ‹SAARBRÜCK›. Doppelkreisstempel (SHB DKa ∅ 26 mm) mit Datum ‹1 7› ohne Datumsstrich im Zentrum. Abschläge kommen mit und ohne Datumsstrich vor. Es handelte sich um einen Steckstempel und es war dem bearbeitenden Postbeamten überlassen, den Datumsstrich zuzustecken oder nicht. Der Stempel wurde nachweislich zwischen 1840 und 1850 verwendet.
  • Französischer Grenzübergangsstempel ‹PRUSSE 2 FORBACH 2›. Doppelkreisstempel (SHB DK b ∅ 26 mm) mit Datum ‹3 JUIL 48› im Zentrum. Abschlag erfolgte immer mit roter Stempelfarbe.
  • Französischer Grenzbezirksstempel  ‹REG. FR.›. Kastenstempel (SHB Ka 1 a, 34 x 10 mm). Reg. Fr. steht für Region Frontalière resp. Grenzbezirk. Der Stempel wurde zwischen 1848 und 1853 eingesetzt.

Gebührenvermerk 15 Décimen in schwarzer Schrift. Davon erhielt die preussische Post 5 Décimen. Ein Décimen entsprach 10 Centimes.

Varia
Das Bankhaus Berthoud & Frères wurde von den Brüdern Jonas, Charles-Frédéric und Auguste Berthoud aus Fleurier im Schweizer Kanton Neuenburg gegründet. Die Familie Berthoud hat im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert viele Politiker, Uhrmacher und Bankiers hervorgebracht.
Das Bankhaus Berthoud agierte in Augenhöhe mit den führenden Häusern wie Rothschild, Hottinguer, Mallet, Hentsch.

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Hinweise
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(→1) empfohlene Lektüre. Handbuch der Postwertzeichen des Saargebietes und des Saarlandes; Hrsg. Landesverband der Briefmarkensammler des Saarlandes e.V. für die Lieferungen 1-8, ab der 9. Lieferung: Bundesarbeitsgemeinschaft SAAR für Philatelie und Postgeschichte e.V.
Hier Kapitel 102 Vorphilatelie.

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🇬🇧 In a nutshell: Due to first stamps issues prephilately in the Saarland ends 1849 for the former bavarian part and 1850 for the part with prussian postal services. The folded and sealed letter shown in this post dates from 1848 and had been sent from Saarbrücken to ‹Berthoud & Frères›, a private bank in Paris. It carries three different postmarks:

  • ‹SAARBRÜCK› with ‹1 7› in the centre (i.e. 1st July) from the accepting post-office in Saarbrucken.
  • ‹PRUSSE 2 FORBACH 2› with ‹3 JUIL 48› in the centre. In Forbach the letter entered France.
  • ‹REG. FR.› Reg. Fr. french abbreviation ‹Region Frontalière› meaning border district.

The recipient ‹Berthoud & Frères› had been a private bank with an equal standing as Rothschild, Hottinguer, Mallet, Hentsch.

🇫🇷 En bref: La pré-philatélie a pris fin en Sarre en 1849 pour la partie anciennement bavaroise et en 1850 pour la partie relevant des services postaux prussiens.
La lettre pliée et scellée présentée dans cet article date de 1848 et a été envoyée de Sarrebruck à « Berthoud & Frères », une banque privée à Paris. Elle porte trois cachets postaux différents :

  • « SAARBRÜCK » avec « 1 7 » au centre (c’est-à-dire le 1er juillet) provenant du bureau de poste de Saarbrücken où la lettre a été acceptée.
  • « PRUSSE 2 FORBACH 2 » avec « 3 JUIL 48 » au centre. À Forbach, la lettre est entrée en France.
  • « REG. FR. » Reg. Fr., abréviation française de « Région Frontalière »

Le destinataire, « Berthoud & Frères », était une banque privée jouissant d’une réputation équivalente à celle de Rothschild, Hottinguer, Mallet ou Hentsch.

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